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Kritik: Gloria (1999)


Sharon Stone gibt die kriminelle Titelheldin, die unfreiwillig zur
Patronin eines kleinen Jungen wird und auf der Flucht durch New York
ihre verschütteten Mutterinstinkte wiederentdeckt. Dabei greift sie ihre
"Casino"-Rolle auf, die sie mit zeitgemäßer Coolness und unterhaltsamen
Onelinern Marke "I don't get scared - I get pissed off" garniert. Das
und die Situationskomik mit ihrem Schützling sorgt für den dringend
notwendigen Humor in Sidney Lumets originalgetreuem Remake des
gleichnamigen John Cassavetes-Film von 1980.

Das mit Ehefrau Gena Rowlands besetzte Original von Hollywood-Outsider
Cassavetes zählt sicherlich nicht zu den besten Werken des verkannten
Meisters; dem steht Lumets Neufassung in nichts nach: Einzig Sharon
Stone trägt die seichte Krimikomödie, deren von logischen Fehlern
zerfressenes Drehbuch sich an den Grisham-Thriller "Der Klient"
orientiert und illustren Nebendarstellern wie Bonnie Bedelia ("Stirb
langsam"), Jeremy Northam ("Das Netz") oder George C. Scott ("Dr.
Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben") den Spaß verdirbt.
Angesichts extraordinärer Klassiker wie "Die 12 Geschworenen" und "The
Verdict" bleibt Lumets Regie überraschend blass und ambitionslos.

Zwar traut sich der 1924 geborene Veteran aus dem Gerichtssaal, das
heimische New York (wie zuletzt in dem hervorragenden "Nacht über
Manhattan") verlässt Lumet natürlich nicht und kann zumindest Kenner der
Millionenmetropole mit präzisen und liebevollen Bildern locken. In der
quantitativ wie qualitativ phänomenalen Filmographie Sidney Lumets
stellt "Gloria" jedoch einen klaren Tiefpunkt dar.





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