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Kritik: Das süße Jenseits (1997)


Die Filme des Kanadiers (armenischer Herkunft) Atom Egoyan werden seit vielen Jahren auf den einschlägigen Festivals in aller Welt herumgereicht. Was sie dort ernten sind dann jede Menge Kritikerpreise, weniger die des Publikums. Und so verwunderlich ist dies nicht, denn Egoyans Werke sind durchaus sperrig und ohne Zweifel auch ein bißchen kopflastig, zumindest für das breite Publikum.

Vielleicht, und zu wünschen wäre es ihm, schafft er es ja mit seinem neuesten Film, mehr als nur seine eingefleischten Fans zu begeistern. Aber prompt hat er für "Das süße Jenseits" im vergangenen Jahr schon wieder in Cannes den Großen Preis der Jury bekommen.

Wie auch immer, der Film ist jedenfalls zugänglicher als seine Vorgänger (Der Schätzer, Exotica, Calendar). Zur weitschweifigen intellektuellen Vielfalt hat sich diesmal eine emotionale Tiefe gesellt. Sie ist dem Stoff freilich angemessen.
Es geht um die Bewohner eines kleinen kanadischen Ortes, die von einer schlimmen Katastrophe heimgesucht werden. Der Schulbus ist verunglückt, und 14 Kinder haben hierbei den Tod gefunden. Einige haben schwerverletzt überlebt. Zusammen mit ihnen versuchen die verzweifelten Eltern mit dem Schmerz des Verlustes umzugehen, ihn zu verarbeiten. Eines Tages taucht ein Rechtsanwalt in der tiefverschneiten Gegend auf. Er verspricht, die Verzweiflung der Betroffenen zu kanalisieren, sie in Wut umzuwandeln. Worte wie Schuld, Schadenersatz, Anklage etc. machen auf einmal die Runde. Durch die neuen Töne werden die Einwohner, die vorher im Schmerz vereint waren, nun freilich entzweit.

Wie sich herausstellt, hat der Verursacher der bösen Mißklänge, der Anwalt, selbst unter einer fatalen Schicksalslast zu leiden. Seine drogensüchtige Tochter ist an Aids erkrankt und somit dem Tod geweiht.
Dem Anwalt gelingt es jedenfalls, das Unglück vor Gericht zu bringen. In der Vorverhandlung reagiert dann aber eine der Zeugen, eine seit dem Unfall an den Rollstuhl gefesselte Schülerin, anders, als vorgesehen. Doch genau diese folgenreiche Notlüge ist es, die der Gemeinde genau die Ruhe verschafft, die sie so dringend braucht, um sich mit ihrem grausamen Schicksal auszusöhnen.

"Das süße Jenseits" ist die eindrucksvolle und eigenwillige Verfilmung eines Romans von Russell Banks (den es hierzulande schleunigst zu entdecken gilt). Wie in der Vorlage entfaltet auch Egoyan in seiner Verfilmung sehr gemächlich und somit jederzeit nachvollziehbar die ganze Dimension des Dramas. Dem komplexen Thema des Films, den Beziehungen von Vätern und Müttern zu ihren Kindern, verleiht diese, den Blick langsam öffnende Herangehensweise, eine geradezu mythische Tiefe. Somit wirkt denn auch die emotionale Wucht dieser magischen Geschichte lang nach.




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