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Kritik: Three Seasons (1999)


Momentaufnahmen aus dem heutigen Vietnam: Eine junge Frau (Nguyen Ngoc Hiep) freundet sich mit einem leprakranken Dichter an. Ein Rikschafahrer himmelt eine Hure (Zoe Bui) an. Und ein Besucher aus Amerika (Harvey Keitel), der im Krieg ein Kind zurückgelassen hat, kehrt auf der Suche nach der Tochter nach Saigon zurück.
In seinem Kinofilmdebüt ''Three Seasons'' wirft der in den USA aufgewachsene Exil-Vietnamese Tony Bui einen poetisch-liebevollen Blick auf das heutige Leben seines Geburtslandes. ''Three Seasons'' ist zugleich die erste US- Produktion, die seit Kriegsende in der Sozialistischen Republik Vietnam gedreht werden durfte. Das Ergebnis ist vor allem Medizin für ein amerikanisches Trauma und zweifellos auch eine Art Versöhnungsfilm - ein Akt höherer Diplomatie, der von den Filmkritikern in Nordamerika nicht angetastet werden durfte. Der 27 Jahre alte Regisseur, der als Zweijähriger mit seinen Eltern aus Vietnam in die USA floh, studierte an der Filmhochschule in Los Angeles. Nach einigen Aufenthalten in Vietnam schrieb er das Drehbuch zu ''Three Seasons'': drei lose miteinander verknüpfte Episoden, mit fotogenen Gesichtern an hinreißenden Schauplätzen inszeniert - sentimentale Fabeln, heilsam für die Wunden aus vergangenen Tagen, und doch erzählerisch und visuell voller Klischees. Der ''endgültige'' Film über Vietnam lässt offenbar noch auf sich warten. Rico In amerikanischen Filmproduktionen aus den letzten 30 Jahren findet das Land Vietnam (vermutlich) ausschließlich als Kriegsschauplatz statt und die Bevölkerung diente somit in der Regel als Staffage für mehr oder weniger heroische Betrachtungen des soldatischen Mannes amerikanischer Prägung. Der Blickwinkel war der von oben, sozusagen aus der Hubschrauberperspektive, auf ein Land, das erklärtermaßen in die Steinzeit zurückgebombt werden sollte. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Vietnamkrieges kommt nun die erste westliche Produktion ins Kino, die Bodenhaftung hat und mitten eintaucht in den Großstadtdschungel von Saigon. Regie bei ''Three Seasons'' führte der 27jährige, in Amerika aufgewachsene Vietnamese Tony Bui. Produzent und Nebendarsteller des episodisch aufgefächerten Films ist die Independent-Ikone Harvey Keitel. Fünf Schicksale, von der Vergangenheit alles andere als unbelastet, sind es, die der Film ausbreitet und lose miteinander verknüpft.
Da ist die Lotusblütenverkäuferin Kien An. Sie erntet die beliebte Ware aus einem Teich vor den Toren der Stadt und fährt jeden Tag auf den Markt, wo sie die Blumen verkauft. Ihr Arbeitgeber ist ein alter Dichter, der, von der Lepra zerfressen, keinen Stift mehr halten kann. Als Kien eines Tages vom bitteren Schicksal der ehemals gutaussehenden Schriftstellers erfährt, bietet sie sich ihm als Schreiberin an, die seine Verse zu Papier bringt. Der Rikschafahrer Hai bedient die Touristen der Metropole. Eines Tages lernt er das hochnäsige Callgirl Lan kennen und verliebt sich in sie. Obwohl ein ums andere Mal abgewiesen, läßt er sie nicht aus den Augen und kann sie eines Tages aus einer verfänglichen Situation retten. Als sie seine Liebe aber nach wie vor abweist, beginnt er für ein ungewöhnliches Geschenk zu sparen. Zuletzt ist da noch der Betteljunge Woody, der von seinem mickrigen Bauchladen lebt. In der ''Apokalypse Now'' (!) Bar begegnet er dem Amerikaner Hager, einem ehemaligen G.I., der auf der Suche nach seiner Tochter ist. Nach einem gemeinsamen feuchtfröhlichen Abend wacht Woody ohne seine Ware auf und mutmaßt in dem Amerikaner den Dieb. In der Exposition tut sich der Film etwas schwer, die verschiedenen Erzählstränge zu entwickeln und zusammenzuführen. Ist die Geschichte jedoch einmal in Gang gekommen, entsteht ein durchaus stimmiges Großstadtpanorama mit (zumindest für westliche Augen und Ohren) exotischem Einschlag. Freilich, ungetrübt zu begeistern vermag der Film keineswegs. Allzu spannungsfrei plätschert das Ganze, zudem oft nah am Rand des Sozialkitsches, vor sich hin. Die Charaktere sind recht statisch, und die Konflikte werden viel zu sehr behauptet, als filmisch entwickelt. Dies sind jedoch in erster Linie Schwächen des Drehbuchs, dem auch ein bisschen mehr Tempo nichts geschadet hätte. Die stimmungsvollen, nie geglätteten Bilder einer Kamera, die mittenreinspringt ins pulsierende Großstadtleben, entschädigen allerdings teilweise für diese Mängel.





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