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Kritik: Kiss or Kill (1997)


Es gibt viele Roadmovies, und die meisten stellen die Flucht eines Pärchens vor der Polizei dar. Berühmte Beispiele: Steven Spielbergs Kinodebut Sugarland Express" aus dem Jahre 1974 und Oliver Stones umstrittener Film  Natural Born Killers". Nun hat Bill Bennett diesem Genre einen weiteren Film gewidmet:  Kiss or Kill".
Auch in diesem Film flüchtet ein Pärchen vor der Polizei: Die beiden Kleinganoven Nikki und Al. Diese hatten sich darauf spezialisiert, verheiratete Männer auszunehmen. Dabei sollte Nikki mit ihnen auf ihr Zimmer gehen, wo sie ihrem Opfer beim Champagner- Vorspiel Drogen unterschiebt, die sie schläfrig werden lassen. Danach räumen sie zusammen die Apartments aus. Leider verstirbt das jüngste Opfer an einer Überdosis dieser Drogen. Und so müssen die beiden aus der Stadt flüchten. Neben der Polizei verfolgt sie aber noch jemand anderes: Unter den gestohlenen Gegenständen befand sich auch ein Kinderporno mit dem berühmten Fußballer Zipper Doyle in der Hauptrolle. Dieser will das Video natürlich zurückbekommen, und geht dabei auch über Leichen...

Soweit ist dieser Plot gut konstruiert, wenn auch eher konventionell; der Film hat aber auch eine zweite Ebene: Bei ihrer ersten Rast wird nämlich dem dortigen Hotelbesitzer die Kehle aufgeschlitzt... und die beiden sind sich selbst nicht mehr sicher, ob nicht der Partner selbst der Mörder war, immerhin waren sie die einzigen Gäste. Nikki ist in dieser Nacht alleine zweimal schlafwandelnd von Al wieder eingefangen worden, und Al selbst hat am folgenden Tag plötzlich eine volle Brieftasche und das Messer des Opfers...

Wem kann man hier noch trauen? Diese Frage stellt man sich zwangsläufig. Außer den Beiden gibt es kaum Verdächtige, und Beide sind schon früher sehr gewalttätig gewesen...
Eben diese Art von Ungewißheit macht Bennetts Film so spannend. Man weiß nie wirklich, was in den Personen vorgeht, man wird immer wieder verwirrt. Dazu trägt auch der großartige Schnitt bei, der die Szenen immer wieder aus ihrer Kontinuität reißt, in Bruchteile zerlegt und als neue Realität wieder zusammenfügt.

Für den Dreh seines neusten Films nutzte Regisseur Bennett unkonventionelle Methoden. Bei nur wenigen Dialogvorgaben mußten die Schauspieler nach nur vagen Vorgaben improvisieren.
Der Film wirkt dadurch tatsächlich spontaner, echter, als die meisten Konkurenzproduktionen. Dazu tragen auch die meist realen Schauplätze -mit nur wenigen Requisiten angereichert- bei. Wieso sollte man auch etwas ändern, wenn der Schauplatz, hier die weiten Wüsten Australiens, schon faszinierend und skurril genug ist?

 Kiss or Kill" ist ein äußerst spannender Mix aus Roadmovie und Psychothriller geworden, der vor allem durch die dichte Story und die Atmosphäre seiner Schauplätze lebt. Bennett hat auf jede Art von Musik verzichtet, eine ausgeklügelte Soundkulisse reichte ihm vollkommen aus, um die Bilder zu unterstützen.

Der vielleicht innovativste und spannendste Roadmovie seit Jahren.





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