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Barracuda - Vorsicht Nachbar
Barracuda - Vorsicht Nachbar
© Salzgeber & Co

Kritik: Barracuda - Vorsicht Nachbar (1997)


Neben lebensfrohen Gesellschaftskontemplationen und flippigen Komödien greifen französische Regisseure gerne in den Horrorkintopp, entweder, um das zitierte Genre erfolgreich zu parodieren ("Serial Lover"), oder mit makabren und visuellen Elementen anzureichern (der wunderbare "Delicatessen"). Doch so ein Stück puren Terrors und hinterhältiger Gemeinheit erschien bisher nicht auf der Leinwand. Eiskalt und mit ausgefeilter Raffinesse treibt Philippe Haim den Zuseher in seinem zweiten Film an den Rand des Erträglichen.

Alt-Star Jean Rocheford – er wirkte in über 80 meist französischen Filmen mit – reizt seine Rolle als Monsieur Clement genüßlich bis zum letzten Funken Sarkasmus aus. Mit manierierten Gesten verleiht er seinem stillen Charakter abgrundtiefe Bedrohlichkeit, indem er scheinbare Umgänglichkeit, sein Faible für Fred Astaire eingeschlossen, mit schauriger Unmenschlichkeit kontrastiert.

Jede Chance, die sich für Luc (Guillaume Canet in seinem Debüt) zur Flucht bietet, vereitelt der irre Nachbar – so werden für den Betrachter die zahlreichen Fluchtversuche zum ungemütlichen Kalt/Warm-Wechselbad, das nach jedem Scheitern des Gekidnappten eine noch krassere Tortur nach sich zieht. So spiegelt sich in der kammerspielartigen Leidenspassion zutiefst menschliche Grundängste wider, die völlige Auslieferung an einen unkontrollierbaren, aber omnipotenten Herrscher.

Dies alles schreit natürlich nach genugtuender Rache, doch auf simple Vergeltungsakte läßt sich Philippe Haim nicht ein. Als sein strapazierter Held wie ein Außerirdischer in die Freiheit taumelt, ist sein geistiger Zustand nahe dem Endstadium der BSE-Krankheit. Hoffnung scheint nicht zu Haims Stärken zu gehören, diese sind eher bei der gründlichen psychischen Destruktion mit irreparablen Schäden zu suchen. Von befreienden Lachern keine Spur.




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