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Eine Liebe auf Long Island
Eine Liebe auf Long Island
© Pro Fun Media

Kritik: Eine Liebe auf Long Island (1997)


Cineastische Juwelen brauchen Schliff: Mehrere Jahre lang feilte Regisseur und Drehbuchautor Richard Kwietniowski an der Adaption von Gilbert Adairs bis dahin für unverfilmbar gehaltenen Roman "Love and Death on Long Island" - einer postmodernen Replik auf Thomas Manns "Tod in Venedig".

Nicht Aschenbach und Tadzio aber sind hier die Protagonisten, sondern der gleichermaßen gebildete wie verknöcherte englische Schriftsteller Giles De'Ath (brillant: John Hurt) und das unbeschwert-amerikanische Teenie-Idol Ronnie Bostock (Jason Priestley spielt sich selbst). De'Aths hoffnungslose Obsession für den jung-naiven Schauspieler (er erinnert ihn an Henry Wallis' Porträt des toten Chatterton) schickt den alternden Witwer auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise in eine für ihn fremde Welt: die Popkultur des 20. Jahrhunderts. Es ist die tragikkomische Geschichte eines kultivierten Fossils, das vollkommene Schönheit am Ende ausgerechnet in all dem entdeckt, was es selbst nie gewesen ist.

John Hurt überzeugt mit subtilen Gesten und der nuancierten Darstellung eines durch die eigene Selbstentblößung verwundbar gewordenen Witwers, der sich der Lächerlichkeit und Aussichtslosigkeit seines Handelns wohl bewußt ist und dessen Leben dennoch aus den Fugen gerät: Ohne eine Träne zu vergießen, vermittelt Hurt mehr Tragik als ein schluchzender Tom Hanks und - ohne ein einziges Mal zu lachen - mehr Komik als ein possenreißender Jim Carrey.

Behutsam entfaltet Kwietniowski seine Geschichte und gewährt den Charakteren dabei bis in die Nebenrollen größtmöglichen Freiraum. Für De'Ath etwa mag Bostocks bildhübsche Freundin Audrey (Fiona Loewi) nur ein Mittel zum Zweck sein, um über sie zum eigentlichen Objekt der Begierde vorzudringen - Kwietniowski aber verleiht selbst dieser kleinen Rolle eine eigene, wandlungsfähige Persönlichkeit.

Kwietniowskis Film beschreibt den aussichtslosen Versuch einer Fusion zweier ganz und gar inkompatibler Welten. Jason Priestley, dem die Rolle des oberflächlichen Teen-Actors auf den Leib geschrieben wurde, versinnbildlicht dabei das verführerische Potential einer Popkultur, der letzten Endes jeder - sogar ein scheinbar immuner Sonderling wie De'Ath - erliegen kann.

Maß braucht eben bloß im falschen Film zu landen.





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