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Banklady: Unvergessene Banküberfälle

GELD HER, bitte! - Clever geplant, ist halb kassiert.

Es gibt viele Wege, um an Geld zu kommen. Unverhoffte Erbschaften, reiche Ehepartner oder auch Pferderennen. Der geläufigste ist wohl, sich eine Arbeit zu suchen und am Ende des Monats mit dem Gehaltsscheck in der Tasche sein Leben zu genießen. Dieses klassische Gehaltsmodell passt natürlich nicht jedem. Und nicht wenige träumen vom großen, schnellen Geld. Bei manch einem können sich diese Träumereien zu kriminellem Größenwahn entwickeln. Oder wie sonst könnte man den aktuellen Hoeneß-Fall der Steuerhinterziehung von 27 Millionen Euro erklären? Das beliebteste Ziel solch krimineller Energien waren seit je her Banken. Diese Geldhäuser lockten mit ihren vermeintlichen Schätzen schon so manchen Revolverhelden auf den Plan. "Geld her – das ist ein Überfall" ist nicht umsonst ein beinah geflügeltes Wort in der Weltliteratur. Ein Banküberfall, dieser selbsterrungene Lottogewinn, scheint theoretisch den Traum vom Reichtum endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Die Praxis zeigt aber, auch ein Banküberfall will gelernt sein.

Der hollywoodreifste Banküberfall – ein Tunnel für Toni
So war auch der "Zehlendorf-Coup" ein Banküberfall, der aus einem Drehbuch stammen könnte und gehört immer noch zu einem der spektakulärsten Deutschlands. In einer Commerzbankfiliale in Berlin nimmt die Bande um den Autolackierer Moutaz Al Barazi, genannt "Tunnel-Toni", 16 Geiseln. Nachdem sie satte 5,6 Millionen Euro Lösegeld kassiert haben und ein Ultimatum der Polizei abgelaufen ist, bricht der Kontakt zu den Tätern ab. Das Gebäude allerdings ist umstellt, ein Hinauskommen scheint unmöglich. Als die Polizei die Bank stürmt, ist von den Tätern keine Spur. Sie hatten sich längst durch einen 170m langen Tunnel aus dem Staub gemacht.

Der dämlichste Banküberfall – wer Lesen kann, ist klar im Vorteil
Da gewöhnlich keine Ausbildung im Überfallen von Banken angeboten wird, ist die Fehlschlag-Rate in diesem Genre recht hoch. Ein motivierter Amateur-Tresorknacker, der in England zu Werke ging, war beispielsweise zu langsam gegen das Security-System, das die Angestellte auslöste. In Panik rannte er zur Tür und schmiss sich dagegen. Mit ganzer Körperkraft versuchte er die Tür zu öffnen und verlor dabei auch noch seine Maske. Als plötzlich eine ältere Dame die Bank betrat fiel es auch dem lesefaulen Dieb wie Schuppen von den Augen: auf der Tür stand in großen Buchstaben ZIEHEN und nicht DRÜCKEN.

Der arroganteste Juniortäter – Selbstverrat via E-Mail
Nicht ohne Stolz schrieb ein 19-Jähriger Bankräuber der Polizei von ihren Ermittlungsfehlern, nachdem er eine Woche zuvor mehrere tausend Euro aus einer Bank in Unterfranken erbeutet hatte. Er korrigierte nicht nur seine Fluchtweise, sondern auch die Beutehöhe und seine Personenbeschreibung. "Ich bin direkt durch eure Absperrungen gefahren!!! Das ist doch keine angemessene Polizeiarbeit", kritisierte der Geldraub-Trainee. Seine detaillierte Vorgehensweise schickte er via E-Mail nicht nur an die Polizei, sondern gleich zusätzlich der "BILD Zeitung" und der "Mainpost". Die Handschellen wurden ihm schon kurz darauf auf der Hamburger Reeperbahn umgelegt.

Der charmanteste Banküberfall – die Bankräuberin mit den schönen Beinen
Als Gisela Werler ihren ersten Raubzug in einer Hamburger Bankfiliale verübte, war sie nicht nur sehr schick gekleidet, sie war auch äußerst höflich. "Geld her"- drohte sie zwar mit erhobener Waffe, aber dennoch fügte sie immer ein "bitte" hinzu. Genauso bedankte sie sich auch nach Erhalt der Beute und wünschte allen noch "einen schönen Tag". Dieses stilvolle Vorgehen brachte ihr schließlich den Titel "Banklady" ein. Von den Medien bewundert gelang ihr der Raub von 450.000 DM.

Deutschlands erste Bankräuberin war somit nicht nur erfolgreicher als viele ihrer Vorgänger und Nachahmer, sie hatte auch das gewisse Etwas, Stil und Ausstrahlung. Und neben allem Charme die nötige Portion Kaltblütigkeit. Auch wenn sie am Ende das übliche Bankräuber-Schicksal ereilte, mit einer Gefängnisstrafe von 9 ½ Jahren, wird niemand ihren Namen so schnell vergessen.

Christian Alvart verfilmte die Story der "Banklady" und liefert damit die deutsche Antwort auf Bonnie und Clyde. Der Krimi-Thriller entführt den Zuschauer in das Hamburg der 60er Jahre. Nicht allein die Geschichte, auch die Ausstattung und die grandiosen Schauspieler sorgen für 118 Minuten voller Leidenschaft und Nervenkitzel.


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