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Chris O'Donnell und Al Pacino in Der Duft der Frauen
Chris O'Donnell und Al Pacino in Der Duft der Frauen
© Universal Pictures

TV-Tips für Ostermontag (6.4.): "Whoo-ah!"

3sat zeigt "Der Duft der Frauen"

Zum Abschluss der Osterfeiertage haben die Öffentlich-Rechtlichen die Nase mit guten und interessanten Filmen vorne. Am wärmsten empfohlen sei der Film, für den Al Pacino den "Oscar" gewann: 3sat zeigt "Der Duft der Frauen" im Hauptprogramm.

"Der Duft der Frauen", 3sat, 20:15 Uhr:

Viermal war er nominiert, 1993 war es dann endlich so weit: Al Pacino gewann den "Oscar" als "Bester Hauptdarsteller", nachdem er bereits den Golden Globe erhalten hatte. Zusätzlich war das Drama als "Bester Film" und für die "Beste Regie" und das "Beste Drehbuch" nominiert. Regisseur und Drehbuchautor Martin Brest hatte sich bei diesem warmherzigen und teilweise auch spaßigen Remake des italienischen "Profumo di Donna" von 1974 zwar nicht ganz im Zaum - zweieinhalb Stunden Spiellänge sind doch arg viel für diesen Stoff - aber er konnte sich auf sein Ass im Ärmel verlassen: Pacino in der Form seines Lebens, extravagant, schwungvoll und manchmal übertrieben, erinnert man sich an diesen Streifen hauptsächlich wegen der unglaublichen Solovorstellung des grandiosen Stars, der einen nur nach außen hin unerbittlichen, aber innerlich zerrissenen Charakter formt.

Chris O'Donnell kann aber mithalten. Er spielt einen Internatsschüler, der gezwungen ist, um sich einen Heimflug zu Weihnachten leisten zu können, über Thanksgiving in New York City eine Arbeit als "Babysitter" für einen blinden, ehemaligen Soldaten (Pacino) anzunehmen. Die Arbeit stellt sich allerdings als völlig anders als erwartet heraus. "Scent of a Woman" war 1992 bei Kritik und Publikum ein großer Erfolg.

Ein Zuschauer aus Boston schwärmt: "Eine der besten Beobachtungen über die Verzweiflung eines Menschen, unterstützt durch wundervolle Darstellungen und ein aufwühlendes und ergreifendes Drehbuch, bei dem keine Dialogzeile verschwendet wird. Man kriegt Gänsehaut bei solchen Szenen wie der Tangoszene. Man lacht, weint, fühlt Mitleid, Trauer und Zorn."

"Aufenthalt vor Vera Cruz", Arte, 20:15 Uhr:
Im mexikanischen Vera Cruz grassiert eine Hirnhautentzündungs-Epidemie. Der Erste, der stirbt, ist ein französischer Tourist. Seine Frau Nellie (Michèle Morgan), allein stehend und gleichgültig, empfindet keine Trauer. In den nächsten zwei Tagen fühlt sie sich zu Georges (Gérard Philipe) hingezogen, einem Alkoholiker, der Gelegenheitsjobs für Bordelle erledigt und sich für Touristen zum tanzenden Affen macht, um so im Tausch an Drinks zu kommen. Er hat sein eigenes dunkles Geheimnis, eine Tragödie, die ihn seitdem dem Leben ebenfalls gleichgültig gegenüber stehen lässt.

Ein Film mit einem Drehbuch von Jean-Paul Satre - gibt's das? Das gibt es, wenn man sich dieses französische Drama von 1953 ansieht und der Logik der Academy of Motion Picture Arts and Sciences folgt, die Satre 1957 für seine Kurzgeschichte "L'Amour Rédempteur" für einen "Oscar" für die "Beste Geschichte" nominierten. Damals gab es neben den beiden noch heute existierenden Kategorien "Bestes Originaldrehbuch" und "Bestes adaptiertes Drehbuch" diese Sparte, die auch das Ausgangsmaterial würdigte. Mit der Produktion selbst hatte Satre nichts zu tun; seine Geschichte wurde von vier Drehbuchautoren für die Leinwand bearbeitet, unter ihnen auch Regisseur Yves Allégret.

Der Regisseur, der mit seinem Werk bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem "Bronzenen Löwen" ausgezeichnet wurde, konnte vor Ort in der mexikanischen Kleinstadt Alvarado im mexikanischen Bundesstaat Veracruz drehen - die öden und staubigen Straßen, Hitze und aus Grammophonen plärrende Marimba-Musik unterstützten die Atmosphäre von hypnotischer Ausweglosigkeit. Allégret ist ein atmosphärisch dicht gezeichneter Film gelungen, hervorragend in scharfen Kontrasten von Alex Phillips photographiert und von exzellenten Leistungen der beiden Hauptdarsteller getragen. Der Satre innewohnende Zynismus und Nihilismus findet sich in der düsteren Abbildung der Realität wieder, wird aber von Allégret in eine überraschend versöhnliche und tröstliche Perspektive überführt.

Ein Zuschauer aus Connecticut schreibt: "Einer der großartigsten Filme, die ich jemals gesehen habe, und der mich völlig überrascht hat, zumal ich noch niemals vorher davon gehört hatte. Der Streifen hat ein verblüffend scharfkantiges Aussehen, wie ich es noch bei keinem Film aus den Fünfzigern gesehen hatte. Er wirkt wie eine Art 'Midnight Cowboy' mit seinem unerschrockenen Blick auf menschliche Situationen in einer heruntergekommenen Umgebung. Die Photographie ist perfekt: Nahezu jede Komposition ist dynamisch, mit starker Perspektive, wobei Vorder- und Hintergrund bespielt werden. Das Schauspiel ist einfach brillant, die Stars glaubwürdig, realistisch und sympathisch."

Arte zeigt den Film unter dem Titel, mit welchem er in der DDR zu sehen war. In der BRD lief er als "Die Hochmütigen" in den Kinos, was dem Originaltitel "Les Orgueilleux" eher entspricht.

"Für ihn verkauf ich mich", Arte, 21:55 Uhr:
Ein fiktionaler lateinamerikanischer Inselstaat namens Ojeda. Der Gouverneur Vargas wird ermordet. Sein Sekretär Ramon Vasquez (Gérard Philipe) übernimmt die Macht übergangsweise, bis der neue, brutale und sadistische Gouverneur Alejandro Gual (Jean Servais) seinen Posten antritt - und sich die Verhältnisse schnell verschlechtern. Privat verkompliziert sich die Lage für Ramon, weil er sich in die Gouverneurswitwe Inez Vargas (Maria Felix) verliebt hat - der auch der neue Gouverneur den Hof macht.

Dieses französische Drama von 1959, das im Original "La fièvre monte à El Pao" (Das Fieber steigt in El Pao) heißt, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Henry Castillou aus dem Jahr 1955. Der spanische Regisseur Luis Bunuel drehte in Tepoztlán in seiner mexikanischen Wahlheimat und durchsetzte den Streifen mit seinem politischen Enthusiasmus, der ihn beispielsweise zu seinem Engagement für die Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg bewegt hatte, sowie seinem Hass auf alle Arten von Tyrannei. Zusammen mit Kameramann Gabriel Figueroa gelang es ihm exzellent, die heiß brennende Sonne Lateinamerikas und die politisch überkochende Atmosphäre auf die Leinwand zu bannen.

Für ein Opus von Bunuel, der für seine surrealistischen Werke bekannt und mit ihnen berühmt geworden ist, ist "La fièvre monte à El Pao" ein vergleichsweise einfacher und zurückhaltender Film, der zu seinen weniger bekannten zählt, aber einen Blick wert ist. "Wenn man Bunuel's mexikanische Phase - kurz vor seiner Rückkehr nach Europa - kennt und mag, dann wird man diesen Film mehr als lohnend finden", beschreibt es ein amerikanischer Zuschauer. "Es ist zwar kein Meisterwerk, besitzt aber große Stärken in der Photographie von Gabriel Figueroa und der Darstellung von Jean Servais."

Hauptdarsteller Gérard Philipe starb kurz nach den Dreharbeiten im Alter von 36 Jahren an Leberkrebs. Dies sollte so der letzte Film des in Frankreich damals immens populären ("Liebling der Götter") Mimen sein, dessen bekanntester Film "Fanfan, der Husar" von 1952 ist.


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