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Chantal Akerman
Chantal Akerman
© Locarno Filmfestival

Belgische Filmemacherin Chantal Akerman gestorben

Verdacht auf Suizid

Die belgische Filmemacherin Chantal Akerman ist tot. Das Ableben der 65-Jährigen kommt überraschend. Noch vergangenen Monat ist sie auf dem Filmfestival in Locarno gewesen, wo sie ihren neuen Dokumentarfilm "No Home Movie" vorgestellt hat, der von ihrer letztes Jahr verstorbenen Mutter Natalia, einer Auschwitz-Überlebenden, handelt.

Bei der Pressevorführung fiel der Film durch, und laut "New York Times" befürchteten Freunde, dass Akerman diese Ablehnung nur schwer verwinden würde. Die Künstlerin hatte in der Vergangenheit "mit emotionalen Zusammenbrüchen" zu kämpfen, wie bekannt wurde. Gestern nun bestätigte ihre Schwester Sylviane Akerman den Tod, von dem "Le Monde" berichtet, es sei ein Selbstmord gewesen.

Die 1950 geborene Filmemacherin gilt als Pionierin des experimentellen und feministischen europäischen Kinos und hat Regisseure wie Gus van Sant ("Milk"), Michael Haneke ("Liebe") und Todd Haynes ("I'm Not There") beeinflusst. Sie drehte ihre ersten Kurzfilme 1968 und gab 1972 mit "Hotel Monterrey" ihr Spielfilmdebüt. Bekanntheit erlangte sie drei Jahre später mit "Jeanne Dielman, 23, quai du commerce, 1080 Bruxelles". In dieser in Echzeit gedrehten Drama zeigt sie eine mittelalte Witwerin, die in einer Wohnung mit ihrem Sohn in Brüssel lebt, langweilige Hausarbeit verrichtet und sich mit gelegentlicher Prostitution über Wasser hält. "The New York Times" bezeichnete diesen Streifen als "erstes Meisterwerk des Feminismus in der Geschichte des Kinos".

Verweigerten ihre ersten Filme noch konventionelle Erzählungen, wich Chantal nach und nach davon ab und erzählte in ihren Werken Geschichten, so zum Beispiel in der französischen Komödie "Eine Couch in New York" mit Juliette Binoche von 1996. Ihr letzter Spielfilm war das belgische Drama "La folie Almayer" von 2011. Insgesamt drehte Akerman rund 40 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme.

Chantal Akerman saß in vielen Festivaljurys und hielt Vorlesungen über Film. Ab 2011 arbeitete sie für das New York City College.


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