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Ruth Leuwerik gestorben

"Trapp-Familien"-Mutter wurde 91 Jahre alt

Ruth Leuwerik, eine der bekanntesten und beliebtesten deutschen Schauspielerinnen der fünfziger Jahre, ist gestern im Alter von 91 Jahren in München verstorben, wie die Deutsche Presse Agentur meldete. Besonders erfolgreich war ihre Komödie "Die Trapp-Familie" im Jahr 1956, in dem sie die Baronin Maria von Trapp spielte und der zwei Jahre später mit "Die Trapp-Familie in Amerika" eine Fortsetzung erfuhr.

Oft verkörperte die am 23. April 1924 in Essen als Tochter eines Kaufmanns geborene Darstellerin selbstbewusste und eigenständige Frauen, so beispielsweise in dem Drama "Taiga", in welchem sie die Ärztin in einem Kriegsgefangenenlager in Sibieren mimte, oder in der Komödie "Die ideale Frau" von 1959, in der sie eine Bürgermeisterin spielte. "Die Frauen bilden die Mehrheit des Kinopublikums. Und diese Frauen können sich mit den Problemen, die ich auf der Leinwand habe, identifizieren", erklärte Leuwerik 1962.

Nachdem sie im Zweiten Weltkrieg als Fräserin dienstverpflichtet worden war, arbeitete sie zunächst als Stenotypistin, nahm aber bereits privaten Schauspielunterricht. Ihre ersten Theaterengagements erhielt sie 1947 am Westfälischen Landestheater Paderborn und den Städtischen Bühnen Münster. Von 1947 bis 1949 spielte sie am Theater Bremen und am Theater Lübeck, von 1949 bis 1953 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Ihre letzte Bühnenrolle spielte sie 1955 als Eurydike in dem gleichnamigen Stück von Jean Anouilh am Düsseldorfer Schauspielhaus

1950 war Ruth in einer Hauptrolle in der Komödie "Dreizehn unter einem Hut" erstmals im Kino zu sehen. Bereits ihr zweiter Film zwei Jahre darauf wurde wegweisend, denn in der Komödie "Vater braucht eine Frau" war sie erstmals an der Seite des 15 Jahre älteren Dieter Borsche zu sehen. Die Beiden sollten neben Sonja Ziemann und Rudolf Prack sowie Maria Schell und O.W. Fischer eines der Traum-Leinwandpaare der fünfziger Jahre im deutschen Kino werden. Sie spielten im selben Jahr auch in "Die große Versuchung" sowie in "Königliche Hoheit" von 1953 und "Königin Luise" von 1957 zusammen.

Einen beruflichen Höhepunkt bildete das Jahr 1953, als die Aktrice mit "Ein Herz spielt falsch", "Muss man sich gleich scheiden lassen?", "Königliche Hoheit" und "Geliebtes Leben" gleich mit vier Produktionen in den Lichtspielhäusern präsent war, wobei sie für das Drama "Geliebtes Leben" im Jahr darauf den Deutschen Filmpreis in Silber für ihre darstellerische Leistung erhalten sollte. Leuwerik wurde zu dieser Zeit eine der am meisten auf den Zeitschriftentiteln abgebildete Schauspielerin.

Mit Beginn der Sechziger ließ ihre Popularität an den Kinokassen nach. Zwar wurden ihre Darstellungen in dem Drama "Liebling der Götter", in dem Ruth 1960 die Schauspielerin Renate Müller verkörperte, und die Helmut Käutner-Verfilmung "Die Rote" nach dem Roman von Alfred Andersch noch mit Nominierungen für den Deutschen Filmpreis in Silber beziehungsweise Gold geehrt, aber die Einspielergebnisse konnten nicht überzeugen. Nach dem Kriminalfilm "Ein Alibi zerbricht" von 1963 zog sich die damals 39-Jährige für mehrere Jahre aus dem Filmgeschäft zurück.

1971 tauchte Leuwerik in dem Kriminalfilm "Und Jimmy ging zum Regenbogen" nach dem Roman von Johannes Mario Simmel wieder in den Kinos auf; aber es sollte mit dem Drama "Unordnung und frühes Leid" an der Seite von Martin Held 1977 nur noch ein Kinofilm nachfolgen. Ab und an trat Leuwerik im Fernsehen in Serien wie "Der Kommissar", "Die Buddenbroocks" oder "Derrick" auf. Zuletzt stand sie 1983 für eine Folge dieser Krimi-Reihe vor einer Kamera.

1978 erhielt die Schauspielerin den Deutschen Filmpreis für ihr Lebenswerk, ebenso 1992 den Bayerischen Filmpreis. 1980 bekam sie das Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Das Filmmuseum Berlin widmete ihr 2004 zum 80. Geburtstag die Ausstellung "Die ideale Frau - Ruth Leuwerik und das Kino der fünfziger Jahre" und schrieb: "In ihren Filmrollen verstand sie es, gegen alte Stereotypen ein modernes Selbstverständnis zu verkörpern – anders als es das weit verbreitete Vorurteil über 'Opas Kino' der Ära Adenauer will."

1949 war Ruth Leuwerik kurze Zeit mit dem Schauspieler Herbert Fleischmann verheiratet und von 1965 bis 1967 mit dem Sänger Dietrich Fischer-Dieskau. Bis zu ihrem Tod lebte sie zurückgezogen mit ihrem dritten Ehemann, dem Augenarzt Heinz Purper, in München. Ihren 90. Geburtstag feierte sie nicht mehr groß, sondern ließ nur verlauten: "In dem hohen Alter ist es ein Wunder, dass ich noch da bin."

Am 19. Januar soll es eine Trauerfeier geben; der Ort ist noch nicht bekannt.


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