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Die  Mörder sind unter uns - Hildegard Knef und Ernst...chert
Die Mörder sind unter uns - Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert
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TV-Tipp für Montag (20.7.): Ernst Wilhelm Borchert will Selbstjustiz üben

Arte zeigt "Die Mörder sind unter uns"

"Die Mörder sind unter uns", Arte, 20:15 Uhr
In der Berliner Trümmerlandschaft beschließt ein Arzt (Ernst Wilhelm Borchert) jenen Hauptmann zu erschießen, der an der Ostfront Kriegsverbrechen begangen hat und inzwischen wieder als biederer Familienvater ohne eine Spur von Schuldbewußtsein lebt.

Der erste deutsche Nachkriegsfilm, der zu einer Zeit entstand, in der es Deutschland im Staatssinne nicht mehr und noch nicht gab. Die Produktion entstand zwischen März und August 1946 in den Althoff-Ateliers in Potsdam-Babelsberg und in den Jofa-Ateliers in Berlin-Johannistal sowie vor Ort in den Berliner Trümmern, so am Stettiner Bahnhof, dem heutigen Nordbahnhof in Berlin-Mitte, und auf dem Andreasplatz in Friedrichshain.

Regisseur und Drehbuchautor Wolfgang Staudte hatte mit seinem Skript bei den vier Besatzungsmächten die Runde gemacht, um um die Dreherlaubnis zu bitten. Die Amerikaner, Briten und Franzosen winkten ab, während die Sowjets dem Filmemacher zusagten, aber nur unter der Bedingung, dass er den vorgesehenen Schluss seines Skripts, das den Titel "Der Mann, den ich töten werde" trug, veränderte. In der ersten Fassung tötet der Arzt tatsächlich den Kriegsverbrecher. Die Sowjets fürchteten aber Nachahmeeffekte und wollten keine vermeintliche Propaganda zur Selbstjustiz unterstützen, so dass Staudte die Handlung entsprechend verändern musste. Der Film wurde zur ersten Produktion der neu gegründeten Deutsche Film AG (DEFA), der Produktionsgesellschaft im sowjetischen Sektor und später in der DDR. Die Uraufführung fand im Oktober 1946 im Admiralspalast statt.

Allein die Originalaufnahmen der zerstörten Stadt beeindrucken in diesem deutschen Drama, aber auch Wolfgang's Bemühen, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Schuld und Gewissen zu suchen. Der bulgarische Drehbuchautor Angel Wagenstein, der später mit Staudte zusammen arbeiten sollte, meinte: "Für mich ist Wolfgang Staudte der erste Botschafter, der durch seinen Film den Glauben an eine Nation erneuerte, die fähig zur Selbstreflexion ist, fähig, in den Spiegel zu schauen und ihre eigene Schuld einzugestehen, ein Geständnis zu machen, zu dem wenige Nationen fähig sein sollten."

Ein Zuschauer befindet: "Die zerstörten Gebäude und Steinhaufen spielen eine große Rolle und symbolisieren die menschliche Verwüstung. Die schwarzweiße, expressionistische Photographie mit ihren harten Schatten inmitten der Ruinen und menschlichen Silhouetten gegen nackte, zerbrochene Wände ist hervorragend."



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