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Der Junge mit dem Fahrrad - Thomas Doret und Cecile...rance
Der Junge mit dem Fahrrad - Thomas Doret und Cecile de France
© Alamode Film

TV-Tipp für Sonntag (8.11.): Thomas Doret radelt davon

ARD zeigt "Der Junge mit dem Fahrrad"

Am Sonntagabend beendet die ARD ganz exklusiv mit dem stärksten Kinoangebot die Woche für Spielfilm-Fans. Zuerst läuft im Spätprogramm das deutsche Drama "Elser" von Oliver Hirschbiegel, bevor dann im Nachtprogramm das belgische Dardenne-Drama "Der Junge mit dem Fahrrad" folgt.

"Elser", ARD, 23:35 Uhr
Ein Mann (Christian Friedel), der 1939 ein Bombenattentat auf Adolf Hitler verübt hat, wird gefasst und verhört.

Es war ein teuflisches Glück: Weil sein Flug nach Berlin wegen Nebels abgesagt werden musste, nahm Adolf Hitler am Abend des 8. November 1939 den Zug von München und verließ die traditionelle Feierstunde im Bürgerbräukeller daher früher als ursprünglich geplant. 13 Minuten zu früh für den von dem Hilfsarbeiter Georg Elser in einer Säule versteckten Sprengsatz, der statt den Reichskanzler und seine Entourage zu töten, dann nur acht Unbeteiligte umbrachte. Von den rund 20 Attentatsversuchen war der minutiös von Elser geplante und durchgeführte einer der aussichtsreichsten, der beinahe tatsächlich den Lauf der Welt verändert hätte.

Die Drehbuchautoren Léonie-Claire und Fred Breinersdorfer haben die Geschichte von Georg Elser über Jahre recherchiert und dabei auch die Protokolle der Gestapo-Verhöre auswerten können. Regisseur Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") setzte das Skript handwerklich mustergültig und spannend erzählt, wenn auch nicht besonders subtil um. Gedreht wurde in Weidenberg, in Lindau, im Rathaus Schöneberg in Berlin, im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen sowie in Südtirol.

"Elser" erhielt 2015 gute Kritiken, fand aber als Semi-Programmkinofilm mit 171 000 verkauften Karten nur mäßigen Zuspruch beim Publikum. Hauptdarsteller Christian Friedel wurde für den Europäischen und den Deutschen Filmpreis nominiert. Ebenfalls für den Deutschen Filmpreis nominiert waren Nebendarsteller Burghart Klaußner, Kamerafrau Judith Kaufmann, Cutter Alexander Dittner, die Bühnenbildner, Kostümbildnerin Bettina Marx und die Maskenbildnerinnen.

Kritiker Robin Clifford schrieb in "Reeling Reviews": "Durch das Verschmelzen des Davor und das Danach in einem gut geschnittenen Hin und Her ist sowohl ein interessantes Biopic als auch ein solides politisches Drama entstanden."



"Der Junge mit dem Fahrrad", ARD, 01:30 Uhr
Nachdem er von seinem Vater verlassen worden ist, muss ein Zwölfjährger (Thomas Doret) in einem Kinderheim leben. Eine Friseuse (Cécile de France) erklärt sich bereit, die Wochenenden mit ihm zu verbringen.

Auch das gibt es: Einen Film von Jean-Pierre und Luc Dardenne ("Zwei Tage, eine Nacht"), der hell, freundlich und erstmals sogar mit Musik unterlegt ist. Das belgische Brüderpaar, sonst für manchmal geradezu deprimierenden Sozialrealismus bekannt, sperrt auch in diesem belgischen bodenständigen Drama nicht die harte Realität aus, versieht sie aber mit einem märchengleichen Kniff in Gestalt von Cécile de France.

Um die Hauptrolle des Jungen zu besetzen, hielten die Filmemacher rund 100 Vorsprechen ab und wählten den 13 Jahre alten, noch unerfahrenen Thomas Doret aus. Gedreht wurde vor Ort in Seraing in der Provinz Lüttich.

Dank der wie stets guten Inszenierung der Dardennes überzeugt "Le gamin au vélo" - so der Originaltitel - als ein herzzerreißendes, thematisch und spirituell ergiebiges Werk, das leise und genau beobachtet und überraschend optimistisch geraten ist.

Die Kritiker waren 2011 durch die Bank begeistert, und auf den Filmfestspielen von Cannes erhielt der Film den Großen Preis der Jury, sozusagen Silber, hinter "The Tree of Life". Er war für den Golden Globe als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert, unterlag dort aber dem iranischen "Eine Trennung". Beim Europäischen Filmpreis war er als "Bester Film", für Regie und für Cécile de France als "Beste Hauptdarstellerin" nominiert und gewann für sein Drehbuch, das Jean-Pierre und Luc wie immer selbst geschrieben hatten. Bei den Französischen Filmpreisen war das französischsprachige Werk als "Bester ausländischer Film" nominiert, während bei den Belgischen Filmpreisen Thomas Doret als "Beste Neuentdeckung" geehrt wurde.

Kritiker Mark Deming schrieb in "TV Guide": "Ein beeindruckender, gut gemachter Film und zugleich eine erstaunliche Darstellung des Aufwachsens eines Jugendlichen, die wenige Filmemacher bisher versucht haben abzubilden. Noch weniger haben es mit dieser Ehrlichkeit und Gefühlstiefe getan."



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