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Ben Hur - Charlton Heston und Stephen Boyd
Ben Hur - Charlton Heston und Stephen Boyd
© MGM

TV-Tipps für den 4. Advent (20.12.): Charlton Heston zieht die Zügel an

Arte zeigt Meisterwerk "Ben-Hur"

Am Abend des 4. Advent kommen insbesondere Katzenliebhaber im RTL2-Hauptprogramm mit "Bob, der Streuner" auf ihre Kosten. Einsamer Kino-Gigant ist allerdings parallel auf Arte das Meisterwerk "Ben-Hur".

"Bob, der Streuner", RTL2, 20:15 Uhr
Das Leben eines drogenabhängigen Straßenmusikanten (Luke Treadaway) wird durch eine streunende Katze verändert.

Hundeliebhaber kommen im Kino oft auf ihre Kosten, wie unter anderem der Regisseur dieses britischen Dramas, Roger Spottiswoode, mit "Scott und Huutsch" bereits demonstriert hatte. Bei "A Street Cat Named Bob" - so der Originaltitel - kommt der Filmemacher mal nicht auf den Hund, sondern auf die Katze, die hier der eigentliche Star ist.

Denn der Bob auf der Leinwand ist auch der Bob im wahren Leben von James Bowen, der die Erlebnisse mit seiner Katze 2013 in der Autobiographie "A Streetcat Named Bob" veröffentlicht hatte, die sich zu einem internationalen Bestseller entwickelte und allein in Großbritannien 1 Million Mal über die Ladentheken ging. Selbst auf die Bestseller-Liste der "The New York Times" schaffte das Buch es.

James Bowen lebte seit 1997 als Obdachloser auf den Straßen Londons und wurde abhängig von Heroin. 2007 kam er in ein Methadon-Programm und erhielt eine betreute Wohnmöglichkeit. Vor dieser tauchte eines Tages die herrenlose Katze auf, der sich Bowen annahm und die ihm nun überall hin folgte. Bald wurde das Duo bekannt, wenn James als Straßenmusiker auftrat oder die Obdachlosenzeitung "The Big Issue" verkaufte. Durch Youtube-Videos erlangten Bob & Bowen sogar überregionale Popularität, und Touristen reisten extra nach Covent Garden in London, um die Beiden zu sehen. 2010 berichtete mit der "Islington Tribune" erstmals eine Zeitung über das Duo, der Buch-Deal und die Verfilmung folgten.

Für umgerechnet 8 Millionen Dollar drehte Spottiswoode vor Ort in London und in den dortigen Twickenham Film Studios. Vier Katzen kamen dabei zum Einsatz, eine davon der wahre Bob selbst.

"A Street Cat Named Bob" ist ein Herz erwärmender Wohlfühlfilm, der wirklich nur die zynischsten Zuschauer kalt lassen dürfte. Die Kritiken waren 2016 gut, und mit 18 Millionen Dollar wurde das Werk auch ein Publikumserfolg.

Die Fortsetzung "A Gift from Bob" ist in die Pandemie-Wirren geraten und vergangenen Monat in nur wenigen britischen Kinos uraufgeführt und gleichzeitig bereits auf Disc veröffentlicht worden.

Kritikerin Kat Hughes schrieb in "THN": "Der Film ist genauso unglaublich wie die wahre Geschichte, die ihn inspiriert hat. Roger Spottiswoode schafft es, die richtigen Mengen Realismus und Zuckerguss auszubalancieren."



"Ben-Hur", Arte, 20:15 Uhr
Nachdem er von seinem römischen Freund (Stephen Boyd) hintergangen und in die Sklaverei verbannt worden ist, erlangt ein jüdischer Prinz (Charlton Heston) seine Freiheit zurück und sinnt auf Rache.

Metro-Goldwyn-Meyer steckten Mitte der fünfziger Jahre in finanziellen Schwierigkeiten. Das Fernsehen hatte das Publikum aus den Sälen gezogen: 1957 geriet das Filmstudio erstmals in seiner Geschichte in die roten Zahlen. MGM benötigten einen Hit, einen Film, den das Fernsehen nicht bieten konnte: Farbenprächtig, aufwendig, action-reich und im Widescreen-Breitbildformat. Nachdem Paramount Pictures 1956 mit "The Ten Commandments" einen Riesenerfolg hatten feiern können, belebten die Studiobosse die Pläne wieder, mit "Ben-Hur" - einem grandiosen schwarzweiß MGM-Stummfilm, der 1926 der erfolgreichste Film des Jahres gewesen war - ebenfalls einen Bibelfilm neu zu verfilmen. Und dabei "all in" zu gehen. Alles wurde auf eine Karte gesetzt: "Ben-Hur" or bust.

Bevor man Filmgeschichte mit Rekorden schreiben konnte, wurden bereits Rekorde in der Produktion aufgestellt. Das Budget von 15 Millionen Dollar war das bis dahin höchste aller Zeiten. Inflationsbereinigt wären das aktuell vergleichsweise moderate 140 Millionen Dollar. Es wurden 365 Sprechrollen vergeben, 50 000 Komparsen beschäftigt, über eine Million Requisiten überall in der Welt gefertigt und 40 000 Tonnen Mittelmeersand in die Cinecitta-Studios nach Rom gekarrt. Die MGM-Kunstabteilung fertigte 15 000 Zeichnungen von Kostümen, Kulissen und Requisiten an. 100 Kostümbildner fertigten die Garderoben, 200 Künstler und Handwerker schufen die Fassaden und Statuen. 200 Kamele und 2500 Pferde wurden aufs Filmgelände mit seinen 300 Aufbauten in den neun Aufnahmestudios geholt. Noch nie war einem Regisseur eine so hohe Gage gezahlt worden wie William Wyler mit 350 000 Dollar - und eine Gewinnbeteiligung kam noch oben drauf! Und noch nie hatten es zweieinhalb Stunden Filmmusik auf die Leinwand geschafft. Die Dreharbeiten dauerten neun Monate, davon wurden alleine drei auf die Wagenrennen-Sequenz verwendet. Am Schluss kostete selbst der Bühnenabbau nochmal 125 000 Dollar.

Im übertragenenen Sinne mehr Mühe kostete das Drehbuch. Rund ein Dutzend verschiedener Autoren mühte sich ab, die 550 Seiten starke Romanvorlage von Lew Wallace aus dem Jahr 1880 zu bändigen. Am Ende wurde nur Karl Tunberg im Vorspann genannt; dass er als einziger von allen Nominierten nicht den Oscar erhielt, wurde auch damit erklärt, dass jeder wusste, dass einem Einzelnen damit etwas zu viel der Ehre angetan worden wäre. Das Skript war jedenfalls das Sorgenkind der Produktion, ein "work in progress" noch während der Dreharbeiten. Schlussendlich wich diese Version erheblich mehr von der Buchvorlage ab als die Stummfilmfassung.

Die Dreharbeiten selbst liefen problemlos ab. Beim Wagenrennen kamen im Gegensatz zum Vorgänger keine Pferde um, und es verlor auch kein Stuntman sein Leben, wie lange behauptet worden ist. Am Ende waren 62 Stunden Film belichtet, die in der Rohschnittfassung auf viereinhalb Stunden und dann auf dreieinhalb Stunden heruntergekürzt wurden. In den Kinos zeigte man das Epos dann mit einer Pause.

War dieses ungekannte Spektakel den Aufwand wert? Fragt man die Buchhalter bei MGM, dann in jedem Fall. Nachdem nochmal knapp 15 Millionen Dollar in die Werbekampagne gesteckt worden waren, spielte der US-Abenteuerfilm bei sehr guten Kritiken weltweit 147 Millionen Dollar ein. "Ben-Hur" wurde der erfolgreichste Film des Jahres 1959 und der damals zweiterfolgreichste hinter "Gone with the Wind". Nach Zuschauerzahlen in den USA steht er auf Rang 14 aller Zeiten. Unter dem Strich blieben MGM 20 Millionen Dollar Gewinn - die Sorgen um den Erhalt des Studios waren auf einen Schlag wie weggeblasen. Das Risiko hatte sich im wahrsten Wortsinne bezahlt gemacht.

Künstlerisch kommt dem epischen Schwung und dem grandiosen Spektakel - insbesondere beim unvergleichlichen Wagenrennen - wenig nahe. Die Handlungsführung ist allerdings unrund geraten: Spiritualität lässt sich offenkundig schwerer einfangen als Seeschlachten und Wagenrennen.

Bei den Academy Awards setzte es dann den letzten Rekord für das Meisterwerk: Elf Oscars hatte bis dahin noch kein Film gewonnen - und es sollten dann noch 38 Jahre vergehen, bis "Titanic" zumindest gleichziehen konnte. Drehbuchautor Karl Thunberg ging leer aus; ansonsten gewannen der Film, Regisseur William Wyler, Hauptdarsteller Charlton Heston, Nebendarsteller Hugh Griffith, Kameramann Robert Surtees, Komponist Miklos Rósza, die Cutter, die Bühnenbildner, Kostümbildnerin Elizabeth Haffenden, die Visuellen Effekte-Künstler und die Tontechniker.

Golden Globes gingen an den Film, Regisseur Wyler und Nebendarsteller Stephen Boyd; Hauptdarsteller Charlton Heston war nominiert. Der Film gewann den Britischen Filmpreis. 2004 nahm die US-Library of Congress den Streifen als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam" ins National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Eine Zuschauerin schwärmt: "Dieser Film verdient all das Lob, das er bekommen hat. Wen man auch nach den besten Epen aller Zeiten fragt, 'Ben Hur' ist die Antwort. Ein Meisterwerk visuell, thematisch, spirituell. Die Kostüme sind wunderbar anzuschauen, sei es das Gewand eines Juden oder die schimmernde Uniform eines Römers. Die Bilder sind auch heute noch wunderschön anzuschauen. Egal, ob und was man nun glaubt, diesen Film muss man gesehen haben."



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