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Arlington Road - Jeff Bridges, Tim Robbins und Hope Davis
Arlington Road - Jeff Bridges, Tim Robbins und Hope Davis

TV-Tipps für Sonntag (10.1.): Jeff Bridges hat Tim Robbins im Verdacht

Arte zeigt "Arlington Road"

Zwischen Romantik und Spannung können sich Spielfilm-Fans am Sonntagabend im Hauptprogramm entscheiden. Während Sat1 mit "Dirty Dancing" die Herzen höher schlagen lässt, treibt Arte mit "Arlington Road" den Puls in die Höhe.

"Dirty Dancing", Sat1, 20:15 Uhr
Bei einem Ferienaufenthalt mit ihrer Familie verliebt sich Frances "Baby" Houseman (Jennifer Grey) in den Tanzlehrer Johnny Castle (Patrick Swayze).

"Nobody puts Baby in a corner." Dieses US-Drama mit zahlreichen Tanzeinlagen war einer der Überraschungserfolge des Jahres 1987. Bei einem Budget von 6 Millionen Dollar spielte es weltweit 214 Millionen Dollar ein, gewann einen Oscar, verkaufte als erste Produktion über 1 Million Videocassetten und erreichte schnell Kultstatus. Inzwischen hat der Film ein Musical, eine kurzlebige Fernsehserie und mit "Havana Nights" ein Quasi-Remake inspiriert.

Dabei hatte Drehbuchautorin Eleanor Bergstein ihr Skript, in welchem sie ihre Jugenderlebnisse als Kind jüdischer Eltern verarbeitet hatte, die genau wie im Film in den Catskills Urlaub machten, wo sie an Tanzwettbewerben teilnahm, zunächst wie sauer Bier angeboten. MGM zögerten und sagten dann ab. Also griffen Venstron Pictures zu, ein Winz-Verleiher, der gerade erst ein Jahr zuvor begonnen hatte, selbst Kinofilme zu produzieren. Für Venstron, die bereits 1991 pleite gehen sollten, wurde "Dirty Dancing" die größte Sternstunde der Firmengeschichte.

Dabei half, dass sie die richtigen Künstler engagierten: Regisseur Emilio Ardolino gab mit diesem Werk sein Spielfilmdebüt, hatte aber schon seit 1977 im Fernsehen und im Film Tanzdokumenationen veröffentlicht und 1984 für den Dokumentarfilm "He Makes Me Feel Like Dancin" den Academy Award gewonnen. Er bestand darauf, Schauspieler zu engagieren, die auch tanzen konnten: Billy Zane bestand den Test nicht, aber mit Patrick Swayze und Jennifer Grey fand man zwei Akteure, bei denen Tanzbein schwingend auch die Chemie stimmte.

Zumindest auf der Leinwand; während der Arbeit kam es immer wieder zu Animositäten, weil sich die Zwei nicht leiden konnten, was bereits bei ihrer früheren Kooperation bei "Die rote Flut" von 1984 zu Schwierigkeiten geführt hatte. Dazu machte auch das Wetter die Dreharbeiten schwierig: Teilweise war es so heiß, dass Schauspieler dehydriert umkippten, teilweise war es so kalt, dass die Crew in Mänteln am Rande des Sees standen, in welchem Jennifer und Patrick planschten. Dann wiederum regnete es in Strömen.

Gedreht wurde nicht am Spielort Catskills im US-Bundesstaat New York, weil man dort kein geeignetes Hotel fand, sondern in Lake Lure im US-Bundesstaat North Carolina und in Mountain Lake im US-Bundesstaat Virginia. Durch geschicktes Zusammenschneiden erscheinen beide Drehorte auf der Leinwand als organisches Ganzes.

Als am Schluss der fertiggestellte Film Produzent Aaron Russo vorgespielt wurde, meinte der: "Verbrennt das Negativ und kassiert die Versicherungssumme." Alle Beteiligten glaubten, der Film würde floppen, niemand mochte die Endfassung. Ventron Pictures überlegten sogar, den Streifen direkt auf Video zu veröffentlichen. Es kam - zum Glück - anders.

"I've Had the Time of My Life" gewann den Academy Award und den Golden Globe als "Bester Song", dazu gab es Golden Globes-Nominierungen für den Film und für die beiden Hauptdarsteller Jennifer Grey und Patrick Swayze. In einer Umfrage von 2007 lag "Dirty Dancing" bei weiblichen Zuschauern auf Platz eins der Filme, die sie am häufigsten in ihrem Leben gesehen haben, vor "Grease" und "Pretty Woman".

Eine Zuschauerin schwärmt: "Diese zeitlose Sommerliebesgeschichte ist ein Klassiker und wird nie aus der Mode kommen. Ich kann nicht mal zählen, wie oft ich den Film gesehen habe. Ich liebe auch Filme wie 'Harry und Sally' und 'Pretty Woman', aber es ist irgendwas an 'Dirty Dancing', das den Film absolut perfekt macht: Die Charaktere, die Chemie zwischen Jennifer Grey und Patrick Swayze, die Inszenierung, die unglaublichen Tanzszenen, die warme sommerliche Atmosphäre."



"Arlington Road", Arte, 20:15 Uhr
Ein Mann (Jeff Bridges) beginnt seine Nachbarn (Joan Cusack und Tim Robbins) zu verdächtigen, etwas Anderes zu sein, als sie vorgeben - und dass ihre Geheimnisse tödlich sein könnten...

Ein US-Kriminalfilm, wie er drei Jahre später wohl nicht mehr in den USA gedreht worden wäre. Nach 2001 nahmen die Araber im US-Kino die Rollen der Bösewichter ein, die früher für die Russen reserviert gewesen waren. In dieser Produktion von 1999 schauen Regisseur Mark Pellington ("Zu guter Letzt") und Drehbuchautor Ehren Kruger ("Dumbo") auf das terroristische Potenzial, das innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika schlummerte.

Sie woben echte Ereignisse in ihre Handlung ein. Der im Film geschilderte Fall von Copper Creek, bei dem die Frau der Hauptperson während einer Schießerei zwischen FBI-Beamten und einer abgelegen wohnenden Familie ums Leben kam, erinnert an Ruby Ridge im US-Bundesstaat Idaho aus dem Jahr 1992. Und der Bombenanschlag auf die Steuerbehörde in St. Louis weist Parallelen zum Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City aus dem Jahr 1995 durch Rechtsterroristen auf.

"Arlington Road" ist ein spannender, brillant gespielter Film, der geschickt eine Stimmung der Paranoia heraufbeschwört und den Zuschauer im Unklaren lässt, dessen Handlung dabei allerdings unglaubwürdig und in der letzten halben Stunde auch implausibel geraten ist.

Die Dreharbeiten der Columbia Pictures-Produktion fanden in Houston im US-Bundesstaat Texas und in Washington D.C. für 31 Millionen Dollar statt. Bei gemischten Kritiken wurde der Streifen mit weltweit 41 Millionen Dollar ein Misserfolg.

Ein Zuschauer lobt: "Tim Robbins lässt Satan wie einen Pfadfinder aussehen. Das ist ein unheimlicher Film mit einer vorzüglichen Handlung, großartigen Schauspielern und einem starken Finale."



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