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Kehraus - Gisela Schneeberger, Gerhart Polt und...randt
Kehraus - Gisela Schneeberger, Gerhart Polt und Dieter Hildebrandt
© Bayerischer Rundfunk (BR) / ARD

TV-Tipp für Dienstag (16.2.): Gerhart Polt wird narrisch

3sat zeigt "Kehraus"

"Kehraus", 3sat, 21:45 Uhr
Ein Arbeiter (Gerhart Polt) gerät in die Mühlen einer Versicherungsbürokratie und auf einen Faschings-Maskenball der bayerischen Versicherungen, in dessen Verlauf sich Chefs und Angestellte mit zunehmender "Stimmung" selbst entlarven.

Der Name Gerhard Polt bürgt für eins: Bitterbösen Humor, dem Alltag abgelauscht. Wie in seiner Fernsehserie "Fast wia im richtigen Leben", die von 1979 bis 1988 im Bayerischen Rundfunk lief und aus der diese westdeutsche Komödie einige Figuren und Motive aufgreift, deckt das Gespann Polt und Regisseur und Co-Autor Hanns Christian Müller in seinem ersten großen Kino-Solo und wie später in "Man spricht deutsh" menschliche Schwächen und systemimmanenten Irrwitz gnadenlos auf. Hier allerdings verquicken die Beiden das um einen gesellschafts- und wirtschaftskritischen Aspekt - den seit Ende der Siebziger um sich greifenden neokonservativen Schwenk hin zu Rationalisierung und gnadenloser Profitorientierung in der Wirtschaft.

Für manche Zuschauer mögen die makabren und vulgären Akzente der Inszenierung zu viel sein, aber dem Humanismus, der den Furor antreibt in einer Zeit, in der andere deutsche Komödien des Jahres 1983 "Die Supernasen" und "Gib Gas - ich will Spaß" hießen, muss man Respekt zollen.

Das taten denn auch die Kritiker und beachtliche 709 000 Zuschauer - womit die vor Ort in München gedrehte Produktion aber leider - auch das gehört zur Wahrheit - nicht annähernd so erfolgreich wie die oben genannten Blödelklamotten war.

Das Drehbuch gewann den Deutschen Filmpreis; Nebendarstellerin Gisela Schneeberger und Nebendarsteller Nikolaus Paryla waren nominiert.

Ein Zuschauer schwärmt: "Mehr als 20 Jahre vor 'Stromberg' nahm Gerhard Polt hier nicht nur die bundesrepublikanischen Versicherungsbranche aufs Korn, sondern den Karneval und allgemein den Büroalltag gleich mit. Seine Figur, gleichermaßen sympathisch wie einfach, ehrlich wie naiv, stolpert zunächst durch Flure und Zuständigkeiten, dann durch Konzernvorstände und Alkoholleichen. Das alles serviert in einem weißwurstigem Erzähltempo und immer hautnah am Mann. Und prima inszeniert. Zeitlos sehenswert!"



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