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I, Tonya - Tonya Harding (Margot Robbie) wird...nwelt
I, Tonya - Tonya Harding (Margot Robbie) wird Mittelpunkt des ersten großen Medienskandals der modernen 24-Stunden-Nachrichtenwelt
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TV-Tipps für Sonntag (28.2.): Margot Robbie landet hart

RTL2 zeigt FreeTV-Premiere "I, Tonya"

Der Februar endet stark für Spielfilm-Fans mit gleich zwei FreeTV-Premieren aus dem Jahr 2017 am Sonntagabend, die beide wahre Geschichten erzählen - oder zumindest ihre Versionen davon. Zunächst gibt Margot Robbie die gefallene Eiskunstläuferin Tonya Harding in "I, Tonya" im RTL2-Hauptprogramm. Im Spätprogramm von 3sat geht es dann mit Max Hubacher als "Der Hauptmann" alias Willi Herold alias der Henker vom Emsland in die Endphasenverbrechen des Dritten Reiches.

"I, Tonya", RTL2, 20:15 Uhr
Die Eiskunstläuferin Tonya Harding (Margot Robbie) steigt trotz ihrer wenig elfenhaften Art dank Talent und harter Arbeit auf, aber die Ehe mit dem gewalttägigen Jeff Gillolly (Sebastian Stan) tut ihrer Karriere keinen Gefallen.

Das ist die Tragik von Tonya Harding, dass sich niemand mehr daran erinnert, dass sie als erste amerikanische Eiskunstläuferin den dreifachen Axel sprang und so 1991 US-Meisterin wurde. Statt dessen wissen alle von dem auf ihre US-Konkurrentin Nancy Kerrigan verübten Eisenstangen-Attentat, mit dem Harding's Gemahl Jeff Gillooly diese im Vorfeld der Olympischen Spiele in Lillehammer im Jahr 1994 aus dem Weg räumen wollte. Harding versuchte sich vergeblich und wahrheitswidrig damit herauszureden, dass sie von den Anschlagsplänen nichts gewusst habe - sie wurde gesperrt, ihre Karriere war beendet. Und der Ruf als "Eishexe" sowieso ruiniert.

Steven Rogers wurde dieses Skandalon durch einen Dokumentarfilm gegenwärtig, und der Drehbuchautor wollte ein Skript über die Geschichte verfassen. Dazu führte er getrennte Interviews sowohl mit Harding als auch Gillooly, die einander komplett widersprechende Geschichten erzählten. Dies war der Aufhänger für Rogers, sein Drehbuch im Stil einer mockumentary zu erzählen, bei denen die Charaktere wie in einer Interviewsituation in die Kamera sprechen, sich teilweise auch direkt ans Publikum wenden, und Szenen ihre von einander abweichenden "Wahrheitsversionen" illustrieren.

Dem australischen Regisseur Craig Gillespie gelang es, dieses Skript in ein US-Drama zu übersetzen, dass den teilweise absurden Humor in der Lebensgeschichte Hardings findet, dazu aber nicht die tragischen und emotional bewegenden Aspekte opfert. Allgemeiner Tenor derjenigen, die sich mit den wahren Geschehnissen auskannten, war, dass "I, Tonya" dabei sicherlich sehr schonend mit der Titelfigur umging.

Die Independent-Produktion, welche die starke Hauptdarstellerin Margot Robbie mitproduzierte, wurde für 11 Millionen Dollar in Atlanta und in Macon im US-Bundesstaat Georgia gedreht.

"I, Tonya" erhielt 2017 fast durchweg gute Kritiken und wurde mit einem weltweiten Einspiel von 54 Millionen Dollar auch ein moderater Erfolg beim Publikum. Zu einem wahren Triumph geriet der Streifen für Nebendarstellerin Allison Janney, die Tonya's herzlose Mutter mimte. Sie gewann den Schauspieler-"Grand Slam" aus Academy Award, Golden Globe, Britischer Filmpreis und Screen Actors Guild Award. Eine Ebene tiefer gelang dies auch Hauptdarstellerin Robbie mit vier Nominierungen für diese Preise.

Ebenfalls für den Academy Award nominiert wurde Cutterin Tatiana S. Riegel; bei den Golden Globes war der Film nominiert, während bei den Britischen Filmpreisen Drehbuchautor Steven Rogers, Kostümbildnerin Jennifer Johnson und die Maskenbildnerinnen ins Rennen gingen.

Kritiker Steven Prokopy schrieb in "Third Coast Review": "Ein nuancierter und subversiver Film, der nicht immer zuverlässig sein mag, wenn es darum geht, die Wahrheit herauszufinden, aber egal wie man es nimmt, eine höllisch gute Geschichte erzählt."



"Der Hauptmann", 3sat, 23:15 Uhr
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs verkörpert ein versprengter deutscher Soldat (Max Hubacher), der zufällig eine Uniform gefunden hat, einen Hauptmann, schart eine Gruppe weiterer Soldaten um sich und beginnt seine Stellung hemmungslos auszunutzen.

"Der Hauptmann von Köpenick" in Hardcore. Nachdem Regisseur und Drehbuchautor Robert Schwendtke ("RED") in Hollywood mit "Allegiant" die "Die Bestimmung"-Reihe vor die Wand gefahren hatte, traf er die richtige Entscheidung: Der damals 48-Jährige kehrte nach 15 Jahren in die Heimat zurück und verfilmte mit "Der Hauptmann" einen Stoff "aus einem deutschen Leben".

Dieses deutsche Leben war das von Willi Herold, einem 19 Jahre alten Soldaten, der im April 1945 von seiner Einheit getrennt worden war und im Süden Niedersachsens die Uniform eines Hauptmanns fand. Mit einer bis zu 30 Mann starken Truppe, die er "unter" sich versammelte, durchzog er im Chaos des sich auflösenden Dritten Reichs das Emsland und ermordete und ließ Hunderte von Menschen ermorden - vermeintliche Deserteure und die Insassen eines Strafgefangenlagers. Seine "Endphasenverbrechen" brachten ihm den Spitznamen "Henker vom Emsland" ein.

Schwendtke reizte die Perspektive aus Tätersicht bei seinem deutschen Drama, das weder die Menschen im Film noch die Zuschauer vor der Leinwand schont. "Mein Film soll verstören, nicht versöhnen", gab der Filmemacher die Richtung vor. "Es kommt nicht zu einer Läuterung, es gibt keine moralische Identifikationsgröße. Mir ist viel wichtiger, dass die Leute über den Film diskutieren, als dass sie ihn mögen."

Mit dem Mögen ist es dann tatsächlich so eine Sache - "Der Hauptmann" ist harte Kost. Und er muss es auch sein - wenn man eine eiskalt überzeugende Aussage über die dunkle Seite der menschlichen Natur treffen will, darf es keinen Zuckerguss und keine happy-endigen Erleichterungen geben. Ganz im Gegenteil: Robert drehte in Schwarzweiß und mit seinem Abspann setzt er noch einen drauf, indem er beklemmend den Bogen in die heutige Gesellschaft spannt, in welcher der totalitäre Schoß fruchtbarer denn je in der Geschichte der Bundesrepublik scheint.

Die Dreharbeiten des 5,8 Millionen Euro teuren Werks fanden in und um Görlitz sowie in den polnischen Städten Zgorzelec und Breslau statt.

Wie kaum anders zu erwarten, fand "Der Hauptmann" im Jahr 2017 nur wenige Zuschauer. Aber diejenigen, die den Streifen gesehen hatten - Kinogänger wie Kritiker - waren beeindruckt. Dies ist Robert Schwendtke's bester Film. Die Tontechniker gewannen den Deutschen und den Europäischen Filmpreis. Lola-Nominierungen gab es noch für den Film selbst, Nebendarsteller Alexander Fehling, Komponist Martin Todsharow und Cutter Michal Czarnecki.

Kritiker Adam Patterson schrieb in "Film Pulse": "Packend von der ersten Minute an, ist das ein wilder Ritt mit einer unfassbar durchgeknallten Abspannszene. Sehenswert, wenn auch manchmal schwer anzuschauen."



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