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Betty Blue - Jean-Hugues Anglade und Beatrice Dalle
Betty Blue - Jean-Hugues Anglade und Beatrice Dalle
© Sony Pictures Home Entertainment

TV-Tipp für Samstag (22.1.): Zum Tod von Jean-Jacques Beineix

Arte zeigt "Betty Blue"

Am Samstagabend haben Spielfilm-Fans die Wahl im Hauptprogramm zwischen dem US-Krimi "Sleepers" mit einer Star-Besetzung rund um Jason Patric auf RTL2 oder dem bekanntesten Werk "Betty Blue" des am 13. Januar im Alter von 75 Jahren verstorbenen französischen Regisseurs Jean-Jacques Beneix auf Arte.

"Sleepers", RTL2, 20:15 Uhr
Nachdem ein Streich im Sommer 1967 in New York City katastrophal schief gelaufen ist, werden vier Jugendliche zu 18 Monaten Jugendarrest im Wilkinson Home for Boys verurteilt. Dort werden sie wiederholt Opfer von Misshandlungen und Vergewaltigungen durch das Wachpersonal. Über zehn Jahre später ergibt sich für sie die Chance, Rache zu nehmen.

"Sleepers" - so lautet der Ausdruck auf den Straßen New Yorks für Personen, die bereits in einer Jugendstrafanstalt gesessen haben. Regisseur und Drehbuchautor Barry Levinson ("Rain Man") verfilmte den gleichnamigen Roman von Lorenzo Carcaterra aus dem Jahr 1995. Ob es sich dabei wirklich um eine wahre Geschichte handelt, wie der Film per Einblendung im Vorspann und auch Carcaterra in der Einleitung seines Buches behauptet, ist unklar. Im Abspann steht wiederum zu lesen, dass die New Yorker Strafverfolgungsbehörden erklären, einen solchen Fall habe es nie gegeben.

Levinson drehte vor Ort in New York City und konnte auf ein beeindruckendes Ensemble zurückgreifen - unter anderem mit Robert De Niro, Kevin Bacon, Dustin Hoffman und Brad Pitt. Zur reichhaltigen Atmosphäre dieses düsteren, verstörenden und fesselnden US-Kriminalfilms trägt auch die hervorragende Kameraführung durch Michael Ballhaus ihr Scherflein bei. Und wirft die Frage auf, ob Unrecht mit Unrecht vergolten werden darf.

Die 44 Millionen Dollar teure Warner Brothers Pictures-Produktion erhielt 1996 gute Kritiken und wurde mit einem Umsatz von weltweit 165 Millionen Dollar ein großer Erfolg. John Williams' Musik war für den Academy Award nominiert.

Ein Zuschauer findet: "Die Handlung ist komplex und sehr ausgeklügelt. Die Besetzung ist schiere Brillanz und schwer zu übertreffen. Das ist erstklassige Unterhaltung in Kombination mit Spannung und einer Reihe von Themen wie Rache, Gerechtigkeit, Mord, Missbrauch und Vergebung. Die Darsteller der Kinder spielen richtig gut. Ihre echten und sicheren Darstellungen verleihen dem Film sein beträchtliches Maß an emotionaler Glaubwürdigkeit und fesseln jeden, der sich mit den Charakteren identifiziert. Am Ende schließt sich der Kreis und macht uns bewusst, wie schnell unsere Leben auseinander brechen können."



"Betty Blue", Arte, 21:45 Uhr
Ein lustloser Handwerker und Möchtegern-Autor (Jean-Hughes Anglade) versucht seine Freundin (Béatrice Dalle) zu unterstützen, die langsam dem Wahnsinn verfällt.

Es ist nicht ganz ohne Ironie, dass den einzigen César, den dieses französische Drama bei neun Nominierungen gewinnen konnte, der für das "Beste Filmposter" war. Zwar sehr zu Recht, denn selbst wer den Film aus dem Jahr 1986 nicht kennt, hat das ikonische Achtziger Jahre-Poster mit Sicherheit schon einmal gesehen. Aber es deutet auch darauf hin, dass der Streifen von Regisseur und Drehbuchautor Jean-Jacques Beineix, dessen bekanntestes und bestes Werk dies bis heute ist, besonders auf der visuellen und weniger auf der erzählerischen Ebene zu überzeugen vermag.

Beineix, der 1981 mit seinem Debut "Diva" zu Bekannheit gekommen war und dann 1983 mit "La lune dans le caniveau" ("Der Mond in der Gosse") enttäuscht hatte, kam mit "37°2 le matin" - so der Originaltitel, der sich auf die normale Temperatur einer schwangeren Frau am Morgen bezieht - wieder in die Erfolgsspur. Mit 3,6 Millionen Zuschauern und 29 Millionen Dollar weltweiten Umsatzes wurde der Film ein Riesenerfolg.

"37°2 le matin" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philippe Djian aus dem Jahr 1985. Der verspielt-erotisch inszenierte Streifen mäandert und zieht sich in Teilen, was aber durch die beeindruckende visuelle Gestaltung und die herausragende, charismatische Darstellung des damals 21 Jahre alten Models Béatrice Dalle in ihrem Debut aufgewogen wird.

Das Werk schaffte 1987 den Hattrick der drei Nominierungen als "Bester fremdsprachiger Film" bei den Academy Awards, den Britischen Filmpreisen und den Golden Globes. Bei den Césars war er als "Bester Film", für Regisseur Jean-Jacques Beineix, Hauptdarstellerin Béatrice Dalle, Hauptdarsteller Jean-Hughes Anglade, Nebendarstellerin Clémentine Célarié, Nebendarsteller Gérard Darmon, Komponist Gabriel Yared und Cutterin Monique Prim nominiert.

Ein Zuschauer meint: "Neben einer Handlung, die man auf verschiedenen Ebenen interpretieren kann, überzeugt dieser Film als ein außergewöhnlich schöner Streifen in Sachen Bild- und Szenengestaltung. Farben werden mit atemberaubenden Effekt eingesetzt - der blaue Fußboden des Klavierladens, das gelbe Auto, das gelbe Licht, das jede Szene scheinen lässt, als sei sie stets in das Zwielicht des Nachmittags getaucht. Landschaften, Stadt und Innenaufnahmen sind alle wunderschön in Szene gesetzt und gefilmt."



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