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Jack Lemmon ist tot

Leinwandgigant erlag gestern Abend Krebsleiden

Gut ein Jahr nach seinem besten Freund Walter Matthau ist nun auch Jack Lemmon im Leinwandhimmel. Der Schauspieler starb im Alter von 76 Jahren gestern Abend an Krebs...

Jack Lemmon ist tot. Der Schauspieler erlag gestern Abend um etwa 22 Uhr im Alter von 76 Jahren einem Krebsleiden. Sein langjähriger Sprecher Warren Cowan teilte mit, der Darsteller sei im Beisein seiner Frau Felicia Farr, seines Sohns Christopher, seiner Tochter Courtney und seiner Stieftochter Denise im USC Norris Cancer Hospital von Los Angeles gestorben. Damit ist Lemmon fast genau ein Jahr nach dem Tod seines besten Freundes und Leinwandkollegen Walter Matthau - dieser starb am 1. Juli 2000 - von uns gegangen. Noch im vergangenen Monat hatte sich Lemmon einer Gallenblasenoperation unterziehen müssen.

Jack Lemmon wurde am 8. Februar 1925 in einem Bostoner Fahrstuhl zur Welt gebracht. Bis es mit seiner Karriere endgültig aufwärts gehen sollte, mussten allerdings noch einige Jahre ins Land gehen. Das Land war Massachusetts, USA, und der kleine John Uhler Lemmon III - sein Name ließ ihn zum Gespött seiner Mitschüler werden, wenn sie ihn "Jack U Lemmon" (Jack, Du Zitrone) riefen - hatte mit seinem Vater als Chef einer Doughnut-Firma keinen allzu schweren Start. Er promovierte in Harvard und ging zur Marine. Als begeisterter autodidaktischer Pianist, der später auch zwei Schallplatten bespielen sollte, tingelte er nach seiner Rückkehr ins Zivilleben durch Bars und versuchte sich dann als Schauspieler in der Werbung, im Radio und im Theater - nicht im Sinne seines Vaters, aber zunehmend erfolgreicher. Ab 1948 war er kontinuierlich im Fernsehen - auch in Serien - zu sehen. 1950 heiratete er Cynthia Stone, die 1954 Chris zur Welt brachte, der ebenfalls Schauspieler werden sollte und 1977 auch in dem Film "Verschollen im Bermuda-Dreieck" mit seinem Vater auftrat.

1954 gab Lemmon sein Spielfilmdebut in Hollywood mit "It Should Happen to You" an der Seite Judy Hollidays. Schon zwei Jahre später erlebte seine Karriere einen ersten Höhepunkt, als er den "Oscar" als "Bester Nebendarsteller" für den Ensign Pulver ("What´s all this talkin about no movie tonight?") in der Komödie "Keine Zeit für Heldentum" von 1955 entgegennehmen durfte. Privat lief es weniger gut. Lemmon und seine Frau trennten sich 1956, nicht zuletzt weil Lemmon eine neue Frau kennengelernt hatte, die Schauspielerin Felicia Farr ("Küss mich, Dummkopf!"), die er schließlich 1962 heiratete. 1966 wurde ihre Tochter Courtney geboren.

Zum Superstar wurde der Akteur erst, als er sich in die Hände Billy Wilders begab: Die Anfänge mit "Manche mögen´s heiß" und "Das Apartment" wurden Riesenerfolge, und Jack wurde zweimal für den "Oscar" nominiert, gewann jeweils den Britischen Filmpreis und den Golden Globe. Vorwiegend als Komiker besetzt, erweiterte der Mime 1963 sein Repertoire mit der eindringlichen Darstellung eines Alkoholikers in Blake Edwards´ "Die Tage des Weines und der Rosen", für die er wiederum für den "Oscar" nominiert wurde. 1966 paarte Billy Wilder ihn mit Walter Matthau in "Der Glückspilz". Das "seltsame Paar" sollte von da an insgesamt neunmal zusammenspielen, und auch privat wurden die Zwei beste Freunde. Mit Matthau in der Hauptrolle inszenierte der Akteur 1971 auch seinen einzigen Spielfilm "Opa kann´s nicht lassen".

Aber es sollte ein Drama sein, mit welchem Lemmon 1973 den "Oscar" als "Bester Hauptdarsteller" erlangte: In "Save the Tiger" spielte er den lebensmüden Geschäftsmann Harry Tiger, der verzweifelt versucht, dem Bankrott zu entgehen. Weitere gefeierte Darstellungen waren die in "Das China-Syndrom" (Preise in Cannes und London) von 1979, "Ein Sommer in Manhattan" von 1980 (Silberner Bär in Berlin) und "Vermisst" (Preis in Cannes). In der zweiten Hälfte der Achtziger wurde es ruhiger um den Star, der nun weniger Filme drehte, mehr im Fernsehen auftrat und auf die Bühne zurückkehrte, zum Beispiel mit "Eines langen Tages Reise in die Nacht".

Mit seiner gerühmten Darstellung des verzweifelten Immoblienvertreters in dem phantastischen Ensemblefilm "Glengarry Glen Ross" meldete er sich 1992 auch auf der Leinwand wieder kraftvoll zurück. In Venedig gewann er für seine Leistung den Preis als "Bester Darsteller". 1993 spielte er in "Ein verrücktes Paar" erstmals seit "Buddy Buddy" von 1981 wieder mit Walter Matthau zusammen. Der unerwartet große Erfolg dieser Komödie bescherte im Laufe der Neunziger drei weitere Streifen mit dem Paar.

Einen letzten Höhepunkt erlebte seine Karriere im September, als er für seine Darstellung in dem Fernsehfilm "Tuesdays with Morrie" mit einem Emmy gewürdigt wurde. Seine letzte Arbeit für den Film im vergangenen Jahr spielte sich bei "Die Legende von Bagger Vance" nur auf der Tonspur ab: Lemmon lieh seine Stimme als Erzähler.

Ob als Komiker oder als dramatischer Darsteller, der "Jedermann" (O-Ton Billy Wilder) überzeugte in fast jeder Rolle und konnte sich stets der Sympathien des Publikums sicher sein. Seine neurotischen Anwandlungen und seine naive Unschuld und Leichtgläubigkeit prädestinieren ihn geradezu als Liebling der Zuschauer. In seiner fast 50 Jahre andauernden Karriere musste sich der Darsteller auch in etwas magereren Zeiten nie zu einem regelrechten Comeback durchbeißen, denn Publikum und Kritik blieben ihm durchweg treu. Dies dürfte auch nach seinem Tod so bleiben: Leb wohl, Jack!



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