VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die dunkle Seite des Mondes
Die dunkle Seite des Mondes
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Die dunkle Seite des Mondes (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Konsum halluzinogener Substanzen erfreute sich nicht nur in den siebziger Jahren großer Beliebtheit, als das psychedelische Musikalbum "The Dark Side of the Moon" von Pink Floyd entstand. Auch der Wirtschaftsanwalt Urs Blank in Martin Suters Roman "Die dunkle Seite des Mondes" aus dem Jahr 2000, dessen Titel auf das Pink-Floyd-Album anspielt, riskiert einen Drogentrip. Die halluzinogenen Pilze verursachen bei ihm einen Sprung in der Schüssel. Er wird zum Mörder und zieht in die Wildnis der Wälder, die ihm fremd und zugleich merkwürdig vertraut erscheint. Die Gegenüberstellung von moderner Businesswelt und Natur verleiht dem dramatischen Stoff einen besonderen Reiz.

Auch von Urs Blank geht eine starke Faszination aus, weil er sich mit seiner geistigen Verwandlung nicht gerade als Identifikationsfigur empfiehlt. Im Kinodebüt des Regisseurs Stephan Rick, der mit Catharina Junk auch das Drehbuch schrieb, wird er jedoch zu einer Figur, die viel stärker gegen das Böse, und zwar nicht nur in sich selbst, ankämpft. Zunächst gehört Blank zu den Besten im Haifischbecken der Frankfurter Geschäftswelt. Für moralische Skrupel gibt es bei Fusionsverhandlungen, die mit harten Bandagen geführt werden, wenig Platz. Weil aber die halluzinogenen Pilze Blanks Killerinstinkt in blutigen Ernst verkehren, wird es den Drehbuchautoren ein wenig unheimlich: Sie steuern dagegen und dichten Blank Skrupel an. Voller Wut über die kriminelle Energie seiner Kollegen muss er zum Beispiel im Büro einen Tisch umwerfen. So wird er zum Kämpfer gegen ein System stilisiert, das ihn krank gemacht hat. Schade, denn wenn der Film solchermaßen die Moralkeule schwenkt, fällt das wohl nicht nur Kennern des Romans unangenehm auf.

Moritz Bleibtreu spielt Blank hervorragend, vor allem auch in den abrupten Wechseln von Aggression und von Entsetzen über das eigene Verhalten. Jürgen Prochnow wirkt als Geschäftsmann, der über Leichen geht, hingegen gerade wegen seiner Kontrolliertheit furchteinflößend. Aus Zeitgründen fällt das Survival-Abenteuer, zum dem sich Blanks Waldbesuche im Roman entwickeln, eher mager aus. Auch die Visualisierung des Drogentrips mit seinen Halluzinationen und Sinnesexplosionen wirkt relativ unspektakulär. Vor allem gelingt es dem Film nicht, zu vermitteln, wie sich Blanks Selbstwahrnehmung verändert. Insgesamt fällt die Verfilmung also gegenüber dem Roman ab, aber sie versteht es dennoch, einiges von seinem Reiz kongenial auf die Leinwand zu übertragen.

Fazit: Regisseur Stephan Rick hält sich bei der Verfilmung von Martin Suters gleichnamigem Roman nicht durchgehend an die Vorlage. Er dichtet dem nach einem Drogentrip psychopathisch agierenden Hauptcharakter Eigenschaften an, die ihn sympathischer machen sollen. Trotz moralischer Glättungen wirkt die Geschichte noch recht spannend. Dafür sorgen die gute Besetzung und die reizvolle, auch metaphorische Gegenüberstellung der kühlen Businesswelt und der Wildnis der Wälder.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.