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Trash
Trash
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Trash (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Müllsammler in Stephen Daldrys ("Billy Elliot", "The Hours", "Der Vorleser") Film "Trash" sind die Ärmsten der Armen. Nicht nur, dass sie sich ihren äußerst kargen Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie den Müll auf einer Deponie nach verkaufbaren Teilen durchsuchen. Sie leben zudem in einer aus Holz und Abfall zusammengebastelten Barackensiedlung direkt am Fuße des Müllbergs. Ihre windschiefen Hütten sind aufgeständert, da dort wo der Müll aufhört, bereits ein See voller Dreck beginnt. In dem trüben Wasser schwimmen leere Flastikflaschen, Ratten und Kinder. Diese Siedlung ist ein derart grotesker Anblick, dass man sich beinahe in einem surrealen Endzeitthriller wähnt, und nicht in einem in der brasilianischen Gegenwart angesiedeltem Thrillerdrama. Gegen diese Barackensiedlung wirkt eine ebenfalls gezeigte Favela (eine der vielen großen in den brasilianischen Städten unkontrolliert wuchernden Armensiedlungen) bereits äußerst wohnlich. Eine von bewaffneten Wächtern kontrollierte Luxusvilla erscheint in dieser Welt gar wie von einem anderen Stern.

Stephen Daldry gelingen immer wieder aufregende Bilder von großer emotionaler Wucht, die der britische Filmemacher mit einer rasanten Inszenierung zu einem kunterbunten Adrenalinrausch um die drei jugendlichen Rätsellöser verbindet. Dabei stetzt der Regisseur - dessen bisheriger Karrierehöhepunkt die Gestaltung der Eröffnungs- und Abschlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London war - stets auf den größtmöglichen Effekt. Denn obwohl "Trash" zunächst wie ein weiteres der zur Zeit fast in Serie gedrehten in Mexiko und Südamerika angesiedelten sozialkritischen Thrillerdramen erscheint, ist dies in Wirklichkeit ein äußerst unterhaltsamer Abenteuerfilm vor exotischer Kulisse. Zwar enthällt auch "Trash" zahlreiche sozialkritische Kommentare. Aber diese bleiben stets oberflächlich und dienen vorrangig der Unterstützung der Dramatik. Wenn Daldry z.B. den extremen Gegensatz zwischen den im Dreck lebenden jungen Protagonisten und einer so korrupten, wie skrupellosen, sich in obzönen Reichtum suhlenden Oberschicht darstellt, dann geht dem Regisseur weniger um eine extrem offensichtliche Sozialkritik, als um die Schaffung des größtmöglichen Kontastes.

Das bedeutet allerdings auch, dass wer sich durch den anfänglichen Politkrimi-Ton auf eine falsche Spur führen lässt, wahrscheinlich wenig Gefallen an der weiteren Handlungsentwicklung finden wird. Der anfänglich mit groben Strichen aufgetragene gesellschaftskritische Anspruch bleibt bis zuletzt eher behauptet. Aber dafür entwickelt "Trash" ganz eigene Qualitäten, die diesen Film sehr sehenswert machen. Statt ein weiteres beinhartes und deprimierendes Drama über die in Südamerika grassierenden Auswüchse von Kriminalität und Korruption auf die Leinwand zu bringen, hat Daldry mit "Trash" einen sehr spannenden Jugendabenteuerfilm gedreht, der das maximale aus seinen exotischen und oft erschreckenden Schauplätzen herausholt. Auch die drei Hauptdarsteller nehmen den Zuschauer schnell für ihre Figuren ein. Wenn die jungen Helden bei einer rasant gefilmten Zugfahrt samt Verfolgungsjagt zu wilder Percussionmusik von ihrer Müllbergsiedlung durch das bunte Rio hin zu im Untergrund lebenden Straßenkindern gelangen, dann ist das in vor Vitalität strotzender filmischer Trip, wie man ihn in dieser Art noch nicht gesehen hat.

Fazit: "Trash" ist ein spannendes Jugendabenteuer vor einer bunten und zugleich oftmals bedrückenden exotischen Kulisse. Sozialkritik bleibt hier reines Beiwerk.





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