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On the Milky Road
On the Milky Road
© Weltkino Filmverleih

Kritik: On the Milky Road (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"On the Milky Road" ist das neue Werk des 1954 in Sarajevo geborenen Filmemachers Emir Kusturica. Wie schon in dessen vorherigen Arbeiten – etwa in "Die Zeit der Zigeuner" (1988), "Arizona Dream" (1993) oder "Schwarze Katze, weißer Kater" (1998) – werden darin unzählige absurd-originelle Ideen präsentiert. Der auf "drei wahren Geschichten und vielen Fantasien" beruhende Mix aus einer Bürgerkriegs-Groteske mit Splatter-Elementen und einem märchenhaft gestalteten Liebes-Plot wird mit magischem Realismus geschildert: mal hektisch und grell, mal wunderbar kitschig – und mal beides zugleich.

So näht beispielsweise die Protagonistin, die stets nur "die Braut" genannt wird, dem Helden Kosta kurzerhand dessen abgeschossenes Ohr wieder an und singt dabei gefühlvoll ein romantisches Lied. Nicht minder bizarr und interessant sind der sch(m)erzhafte Kampf gegen eine große, bissige, österreichisch-ungarische Uhr und die Auftritte diverser Tiere, darunter ein Falke, eine Schlange, ein treuer Esel, etliche Gänse und Schafe sowie ein eitles, hüpfendes Huhn und ein überaus zutraulicher Braunbär. Kusturica und seine beiden Kameramänner Goran Volarević und Martin Šec fangen rauschende Volksfeste (zu den Balkan-Klängen von Kusturicas Sohn Stribor) ein; in der Kulisse eines Krankenzimmers, in welchem Regenwasser durch die Decke tropft, wird eine herrlich-komische Nummer vollführt, während die Flucht des zentralen Paares vor den Häschern des rabiaten Ex-Geliebten der "Braut" immer wieder mit poetischen Momenten angereichert wird: In einer Sequenz fliegen Kosta und seine Angebetete bei einem heftigen, nächtlichen Gewitter davon – in einer anderen schweben die beiden in vollendeter Eleganz einen Wasserfall hinunter. In den meisten Fällen funktioniert Kusturicas eigenwilliges ästhetisches Konzept überraschend gut; zuweilen – etwa im Finale auf einem Minenfeld – wirkt die Mischung aus Lyrischem und Brutalem aber auch recht unstimmig und irritierend.

In der Rolle des musikalisch begabten Milchmanns Kosta, der mit einem kleinen Schirm als Schutz vor dem Kugelhagel täglich auf seinem Esel die Bürgerkriegs-Frontlinie passiert und eine tragische Biografie mit traumatischen Erlebnissen hat, vermag Kusturica für sich einzunehmen. Ebenso verkörpert Monica Bellucci ("Irreversibel") ihren Part als "Braut" mit Hingabe. Wiederholt muss Kosta als Retter der "Braut" fungieren – doch auch diese zeigt Einsatz und Kraft, wenn sie ihren Geliebten nach einer Verletzung huckepack trägt, um voranzukommen. Für zusätzlichen Witz sorgt der serbische TV-Star Sloboda Mićalović als entschlossene Nebenbuhlerin Milena mit entfesselten akrobatischen Einlagen.

Fazit: Ein wilder cineastischer Eselsritt in außergewöhnlichen Bildern. Das Aufeinandertreffen von Magie und harscher Kriegswirklichkeit wird furios, jedoch nicht durchweg gelungen in Szene gesetzt; das Schauspiel überzeugt.





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