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Kritik: Boy 7 (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der futuristische, in Hamburg angesiedelte Thriller von Regisseur Özgür Yildirim ("Chiko") basiert auf dem gleichnamigen Roman der holländischen Schriftstellerin Mirjam Mous. Yildirim wandelte das Drehbuch von Philip Delmaar und Marco van Geffen ein wenig um, das bereits für den gleichnamigen, niederländischen Film von Lourens Blok verwendet wurde, der Anfang 2015 erschien. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Welt, in der straffällige Jugendliche mit ungewöhnlichen Methoden resozialisiert werden. Im mysteriösen Institut mit dem Namen "Kooperation X" wohnen die Teilnehmer abgeschieden vom Rest der Gesellschaft. Bevor sie entlassen werden, müssen sie sozusagen umprogrammiert werden – eine Aufgabe, die der böse zweite Direktor für seine Zwecke nutzen will.

Der deutsche Genrefilm schwimmt im Fahrwasser berühmter dystopischer Jugendgeschichten wie "Die Tribute von Panem" oder "Die Bestimmung": Der Hauptunterschied besteht darin, dass am deutschen Schauplatz viel weniger Aufwand mit den Kulissen getrieben wird und sich die Handlung überwiegend auf Innenräume beschränkt. Und natürlich fällt auch die Charakterentwicklung längst nicht so ausführlich aus wie in den mehrteiligen Geschichten aus Amerika. Sam ist ein guter, aufrichtiger Junge und somit die Rolle, die David Kross keine Mühe bereitet, Lara eine düstere Rebellin. Aber sie bleiben vor allem Handlungsträger, indem sie Detektiv spielen – im Grunde sind sie ziemlich austauschbar angelegt. Der aus dem "Tatort" bekannte Jörg Hartmann spielt den Direktor Fredersen als Typen, dem man durchaus vertrauen möchte, während der eigentliche Bösewicht, Isaak, eine Figur ist, die das Drehbuch hinzu erfunden hat. Jens Harzer verkörpert ihn als düster-schmierigen Charakter, der undurchschaubar wirkt.

Zu der an Oberflächen orientierten Inszenierung passt die reichlich unterlegte Elektromusik, die immer wieder pulsierend aufputscht. Die Geschichte wird überwiegend in Rückblenden erzählt, die von kurzen Szenen in der Gegenwart mit dem Pärchen auf der Flucht unterbrochen sind. Visuell brechen ab und zu ein paar flirrende Momenteindrücke, sinnlich-rätselhafte Erinnerungen Samuels herein – all das wirkt jugendlich, spannungsgeladen. Yildirim erfüllte sich mit diesem Genrefilm einen Herzenswunsch, lieh sich sogar zwei Namen – Lubota und Fredersen – aus deutschen Filmklassikern des Expressionismus von Murnau und Lang. Aber an die Wucht seines Gangsterfilms "Chiko" - der als Genrefilm eine echte Überraschung in der deutschen Filmlandschaft des Jahres 2008 war – reicht "Boy 7" nicht heran, dafür wirkt er etwas zu routiniert und abgeklärt.

Fazit: Der Hamburger Regisseur Özgür Yildirim erzählt in seinem Thriller mit futuristischem Einschlag von zwei jungen Menschen, die sich aus den Klauen eines verbrecherischen Systems befreien wollen. Der düstere Parcours der Rätsel entwickelt eine eher oberflächlich verlaufende Spannung und ist gekonnt, aber weitgehend überraschungsfrei inszeniert.





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