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Sibylle
Sibylle
© Passanten Filmproduktion / HFF München / Bayerischer Rundfunk

Kritik: Sibylle (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Sibylle" ist der neue Film vom 30-jährigen Schweizer Regisseur Michael Krummenacher, der für seinen gefeierten Kurzfilm "Wenn alle da sind" vor einigen Jahren für den deutschen Kurzfilmpreis nominiert war. 2006 begann er ein Studium der Regie-Studium an der HFF München, welches er vor knapp zwei Jahren erfolgreich beendete. "Sibylle" lief auf der Berlinale 2015 in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" und bietet mit Anne Ratte Polle eine Hauptdarstellerin, die bisher vor allem durch ihre Theaterlaufbahn aus sich aufmerksam machte. In Berlin war sie in Gastspielen am Deutschen Theater oder auch dem Maxim Gorki Theater zu sehen und gehörte zum festen Ensemble der Volksbühne. "Sibylle" ist eine Mischung aus Drama, Psychothriller und surrealem Mystery-Horror.

In vielen Kritiken stand es bereits geschrieben und es ist wahr und schlicht überdeutlich: "Sibylle" verbeugt sich in eindeutigen Szenen und Sequenzen vor seinen etlichen Vorbildern und Klassiker aus den Bereichen Horror, Thriller und Psychodrama. Nur allzu offensichtlich ist, dass Regisseur Krummenacher Werke wie Hitchcocks "Das Fenster zum Hof", "Vertigo", Polanskis "Ekel" und "Der Mieter" aber auch "Shining" von Stanley Kubrick und die surrealen Werke eines David Lynch (hier vor allem "Lost Highway" und "Mulholland Drive") zu seinen Lieblingsfilmen oder zumindest Hauptinspirationsquellen für "Sibylle" zählen muss.

Wenn etwa der kleine Sohn von Sibylle mit seinem Rad durch den Hof fährt und die Kamera ihm dabei dicht auf den Versen ist, dann ist das eine klare Verbeugung und Reminiszenz an eine der erinnerungswürdigsten Szenen aus "Shining" von 1980. Oder wenn Sibylle immer häufiger vom unheimlichen Nachbarn auf dem Balkon gegenüber beobachtet wird, denkt man zwangsläufig an Hitchcocks Klassiker "Das Fenster zum Hof" und Polanskis Meisterwerk "Der Mieter". Filmfans und Freunde von Klassikern der Filmgeschichte werden allein deswegen ihre helle Freude an dem Film und dabei haben, diese ganzen Anspielungen zu erkennen und zu entziffern.

Ebenso wie die Hauptfigur im "Mieter" verliert auch Sibylle scheinbar immer mehr den Bezug zum wahren Leben und der Realität. Immer merkwürdigere Ereignisse und bizarre Vorkommnisse sorgen dafür, dass es auch dem Zuschauer schwer fällt einzuschätzen, ob sich das Geschehen nur in Sibylles Phantasie oder in Wirklichkeit abspielt. Da ist z.B. der ältere Sohn David, der plötzlich ein wahnhaftes Interesse an Gewaltpornos und Bodybuilding zu entwickeln scheint, ein geheimnisvoller Fremder, mit dem sich Sibylle erotische Abenteuer vorstellt (oder passiert es wirklich?) oder der eigene Ehemann, der sich ihr gegenüber immer abweisender, distanzierter und rätselhafter verhält. Über dem ganzen Film liegt zudem eine alptraumhafte, beklemmende Atmosphäre der ständigen Angst und Bedrohung und Hauptdarstellerin Anne Ratte Polle ist als labile Mutter und Ehefrau, deren Leben allmählich aus den Fugen gerät, einfach nur brillant und mitreißend.

Fazit: Beklemmendes, düsteres Psycho-Drama mit Horror- und Mystery-Elementen, bei dem man lange nicht weiß, was Realität und was Wahn ist.





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