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Sprache: Sex
Sprache: Sex
© dejavu filmverleih

Kritik: Sprache: Sex (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Saskia Walker und Ralf Hechelmann lässt Menschen über Sex sprechen. Was zunächst simpel klingt, erweist sich als Herausforderung: Über die schönste Sache - oder diskreter, Nebensache - der Welt wird nämlich nach wie vor nicht so gerne geredet. Das Thema ist mit Schamgefühlen behaftet und wer über so Intimes Auskunft gibt, muss seinen individuellen Schutzpanzer ablegen. Dabei machen sich wohl die meisten Menschen ein Leben lang Gedanken über Sex. So verwundert es auch nicht, dass die Überlegungen der 16 Personen, die hier vor die Kamera treten, oft ins Philosophische gehen. Schon die Abgrenzung des Begriffs von benachbarten wie Liebe, Freundschaft, Sehnsucht nach Nähe bereitet immer wieder Schwierigkeiten. Es zeigt sich auch, dass die Menschen ihre Einstellung im Laufe des Lebens radikal ändern können.

Die beiden Regisseure bezeichnen ihr Werk im Presseheft als "ersten Teil einer umfassenden filmischen Auseinandersetzung mit unserer eigenen Lebenswirklichkeit als Filmemacher und Liebespaar". Sie sind, wie sie auch schreiben, seit Jahren auf der Suche nach neuen Formen, um das Thema Liebe und Sex zu behandeln. Den Menschen, die in diesem Dokumentarfilm von sich erzählen, stellen sie offenbar Fragen, die aber herausgeschnitten sind: Die Aussagen der Mitwirkenden stehen für sich, unkommentiert. Es entsteht ein Freiraum, in dem sich die namenlosen Redner ins Thema vertiefen können. Allerdings stellt sich nicht jeder Gedankengang als ergiebig heraus. Auch werden die Erzählungen oft sehr stark durch Schnitte zerstückelt: Der ständige Wechsel von einer Person zur anderen wirkt nicht immer durchdacht.

Es überrascht allgemein, wie entspannt und ernsthaft die Teilnehmer sprechen. Sie blicken auf ihre ersten Erfahrungen zurück, auf falsche Vorstellungen, auf Bindungsscheu. Sie überlegen, wie wichtig Sex für eine glückliche Beziehung ist. Auch ein Junge in der Pubertät bezieht neugierig und eloquent Stellung, obwohl er dafür noch ein wenig zu kindlich erscheint. Die verschiedenen Auskünfte lassen manchmal schmunzeln, manchmal fallen sie als klug, anregend oder verblüffend auf. Das Thema hat viele Gesichter und befindet sich im Fluss wie das Leben selbst. Darüber frei zu sprechen, führt vielleicht nicht immer zu wichtigen Erkenntnissen, aber es dient der Auseinandersetzung mit sich selbst.

Fazit: Verschiedene Menschen geben in diesem Dokumentarfilm freimütig ihre Ansichten über Sex, Erotik, Liebe und Beziehung preis. Die einzelnen Statements sind zwar nicht alle gleichermaßen interessant, regen aber zum Weiterdenken an. Vor allem beweist die bunte Vielfalt der Aussagen und Überlegungen, welch großen Gesprächsbedarf es zu diesem immer noch tabuisierten Thema gibt.





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