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Kritik: Die Häschenschule (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ist ein traditionelles Osterhasen-Kinderbuch wie "Die Häschenschule" von 1924 noch zeitgemäß? Es schildert ja ein Milieu, in dem pädagogische Werte wie Ordnung, Folgsamkeit und Fleiß gelten. Jedoch lieben kleine Kinder die Geschichten vom Osterhasen und auch die mit ihm verbundenen Bilder einer heilen, märchenhaften Welt. So wurde dieses Buch über 90 Jahre lang immer wieder neu aufgelegt. Der Animationsfilm von Regisseurin Ute von Münchow-Pohl ("Der kleine Rabe Socke") interpretiert diese klassische Vorlage von anno dazumal neu, indem er sie mit der heutigen Welt konfrontiert.

So führen der gewiefte Stadthase Max und seine sehr sympathische Freundin Emmi aus der Häschenschule durch ein reizvolles Abenteuer, in dem es um Werte wie Gemeinschaft und das Voneinanderlernen geht. Die klare, einfache Figurenzeichnung und die wie gemalt wirkenden Hintergründe sind sehr ansprechend und ebenso kindgerecht wie der angenehme Erzählrhythmus. Weniger auf ein Publikum im Kindergartenalter abgestimmt erscheint jedoch gerade die Ausgangsidee. Max, der sich als Teenager geriert, findet ja, dass die Osterhasen und ihre Schule hoffnungslos altmodisch und uncool sind. Und nun muss der Film den Gegenbeweis führen, nachdem er selbst mit Max und seinen Sprüchen - "chill mal, Alter" - diese Abwertung des naiven Märchenzaubers, die zu einer anderen Altersgruppe gehört, vorgenommen hat.

Zum Retrocharakter der Häschenschule wird auch mit der spirituellen Madame Hermine, die das Goldene Ei bewacht, ein Gegengewicht etabliert. Während Lehrer Eitelfritz auf Gehorsam pocht, reicht Hermine dem Außenseiter Max im Dialog die Hand. Sie tritt wie eine fernöstliche Zen-Meisterin auf, lässt ihre Schüler Steingebilde bauen und liest das Möhrenorakel. Senta Berger leiht ihr ihre warme Stimme, mit der sie geheimnisvolle Weisheiten spricht: "Wer fliegen will, der muss erst Wurzeln schlagen." Diese Lehrerin schürt die Neugier und schafft eine anregende Lernatmosphäre. Aber wie viel können die kleinsten unter den Osterhasenfans im Publikum mit Zen-Weisheiten anfangen?

So kann der hübsche und mit der Bedrohung durch die Füchse auch spannende Animationsfilm zwar gestalterisch überzeugen und verfügt auch über originelle Ideen. Aber er spricht dabei wohl eher Kinder an, die schon nicht mehr so ganz, höchstens heimlich, an den Osterhasen glauben.

Fazit: Das animierte Abenteuer für Kinder frischt den Osterhasen-Buchklassiker "Die Häschenschule" mit einer einfallsreichen Geschichte auf, in der ein cooler Stadthasenjunge die Hauptrolle spielt und eine spirituelle Lehrerin mit fernöstlichen Weisheiten aufwartet. Diese kontrastreichen Kombinationen mit der idyllischen Retro-Welt der Häschenschule ergeben einen reizvollen Filmgenuss, der aber den Erfahrungshorizont des ganz jungen Kinopublikums teilweise übersteigt.





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