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Kritik: Das Märchen der Märchen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Das Märchen der Märchen" ist der Titel eines im 17. Jahrhundert erschienenen Geschichtenbuchs von Giambattista Basile, das später in "Das Pentameron" umbenannt wurde. Als erster großer Märchenerzähler Europas inspirierte Basile andere Sammler mündlich überlieferter Sagen, wie die Gebrüder Grimm. Nun hat der italienische Regisseur Matteo Garrone ("Gomorrha") aus einigen Motiven dieses Buchs einen opulenten Fantasyfilm gemacht, in dem sich drei Erzählstränge aus verschiedenen Königreichen abwechseln. Es wird nicht viel gesprochen, die Grundstimmung ist düster und melancholisch, an jeder Ecke kann Unheil lauern. Die üppigen Schauwerte, stilvollen Kostüme und die renommierte Besetzung mit Salma Hayek und Vincent Cassel können aber das Fehlen von Stringenz und von Gefühl nicht kaschieren.

Märchenverfilmungen liegen im Trend und so war der sonst eher in Actionfilmen auftretende Vincent Cassel erst 2014 in "Die Schöne und das Biest" zu sehen. An diesen Film von Christophe Gans und seine schöne visuelle Gestaltung mit ihrer romantischer Schwere erinnert auch Garrones Werk. Die Menschen leben in einer mittelalterlichen Zeit, Gaukler tummeln sich an den Königshöfen, um die Herrscher in ihren Burganlagen zu bespaßen. Die von Salma Hayek gespielte Königin will ein Kind, auch wenn es den Tod ihres Gatten kostet. Das Glück hat immer einen Preis, besonders für den, der sich mit seinem Schicksal nicht abfinden will. In dieser Geschichte geht es um eine besitzergreifende Mutter und um eine wahre Herzensverbindung, die sich nicht zerstören lässt. Alle Herrscher sind zwar in ihrem Reich allmächtig, aber hier kommen sie an ihre Grenzen, werden mit ihrer Fehlbarkeit konfrontiert. In der Episode mit Vincent Cassel geht es um die für Frauen bittere Erfahrung, dass sie von Männern nur geschätzt werden, solange sie jung und schön sind.

Die Episode mit dem König, der sich einen Riesenfloh heranmästet, erinnert an das Märchen vom Froschkönig. Der skurrile Herrscher will sein Wort nicht brechen und gibt deshalb seine Tochter einem Oger. Der hat zwar durchaus Gefühle für sie, im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber wie die anderen Geschichten hat auch diese einen schwarzen Kern. Diese Bedrückung und mystische Endzeitstimmung, die allen Charakteren anhaftet, wirkt auf Dauer ermüdend und aufgesetzt – man weiß auch nicht so recht, wozu das alles erzählt wird. Die visuelle Fantasie bietet einiges, vom Seeungeheuer bis zu einem Balance-Akt auf einem über einen Abgrund gespannten Seil, das in Flammen steht. Auch die Musik von Alexandre Desplat stellt sich wirkungsvoll in den Dienst der entrückten, von Weltschmerz getränkten Atmosphäre.

Fazit: Das opulente Fantasyspektakel ist von der ältesten Märchensammlung Europas inspiriert und beschwört die Angst und den Aberglauben der Menschen aus der Zeit der Gaukler, Hexen und Königskinder herauf. In den Geschichten liegen Glück und Unglück oft nah beieinander, aber dem theatralisch entrückten Geschehen fehlt es an lebendigem Gefühl.





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