VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der Kuckuck und der Esel
Der Kuckuck und der Esel
© missingFilms

Kritik: Der Kuckuck und der Esel (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der zweite Kinofilm von Regisseur Andreas Arnstedt ("Die Entbehrlichen") ist eine bitterböse Farce über das Scheitern eines Filmemachers an einer Fernsehredaktion. Conrad Weitzmann hat sein Drehbuch "Der Orangenhain" fünf Jahre lang geändert, wie es die Redaktion forderte. Und nun will er endlich den Redakteur persönlich sprechen und inhaltlich festnageln: Was bleibt ihm anderes übrig, als den Mann zu entführen? Die schwarze Satire ätzt nicht nur über das undurchsichtige System einer Fernsehanstalt, die so viel Entscheidungsmacht hat. Der Film beweist auch Mut zum Eigenwillen, indem er seine groteske Handlung, die auch vor Mord und Vergewaltigung nicht zurückschreckt, wie ein von Realität und politischer Korrektheit befreites Gedankenspiel anlegt.

Die Personen müssen ambivalent sein, fordert Redakteur Stuckradt Halmer von Conrads Drehbuch. Wie zum Spott sind die Charaktere von "Der Kuckuck und der Esel" sogar ausgesprochen ambivalent: Mit dem armen Conrad, der nur wissen will, was Sache ist, seiner Schwester und dem verbitterten Vater, einem Holocaust-Überlebenden, fühlt man die ganze Zeit mit. Sie wohnen in einem armseligen Häuschen in der ostdeutschen Pampa und sind zum Äußersten entschlossen. So schenkt der Zuschauer in dieser Farce sein Herz ein paar Kriminellen, weil sie gesellschaftliche Underdogs sind. Und weil sie an diesen aufgeblasenen Sender-Fuzzis scheitern, die aalglatte Briefe schreiben und sich jedem echten Dialog entziehen.

Stuckradt druckst als Gefangener herum, findet Conrads Drehbuch auf einmal toll, die Liebesgeschichte "bärenstark". Nur kommt ihm der misstrauische Conrad immer auf die Schliche: Stuckradt hat in Wirklichkeit gar keinen konkreten Plan, was das Drehbuch angeht und so wird es vermutlich wieder in der Warteschleife landen, sobald er freikommt. Der Dialog der beiden Kontrahenten ist voller Pointen über die fragwürdigen Kriterien, nach denen Sender einen Filmstoff beurteilen. Man scheint dort die Erwartungen der Zuschauer erstaunlich genau zu kennen, selbst in Bezug auf lächerliche Kleinigkeiten.

Die Idee des Films erschöpft sich jedoch rasch und so gibt es auch viel Leerlauf in dieser Handlung. Weder Conrad und seine Familie, noch der Film scheinen zu wissen, wie sie aus der Nummer wieder herauskommen sollen. Die Charaktere bleiben funktional, schließlich ist die Geschichte ja auch nicht realistisch. Nur Marlene erzielt mit ihrer zarten Romanze eine tiefere menschliche Glaubwürdigkeit. Insgesamt ist der ungewöhnliche Film eine mutige Satire über die anonyme Macht der TV-Sender aus der Perspektive leidgeprüfter Filmemacher. Aber er hat auch einige Längen und wirkt eher kantig, als ausgefeilt.

Fazit: Die ätzende Satire über die Macht der Fernsehanstalten in der deutschen Filmproduktion ist zugleich eine groteske Rachefantasie: Die Entführung eines TV-Redakteurs lässt die Geschichte in einem realitätsfernen Raum schweben, der ihr gedankliche Freiheit, treffende Pointen, aber auch einigen Leerlauf beschert.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.