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Kritik: Auf Augenhöhe (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der deutschsprachige Familienfilm greift gern auf Altbewährtes zurück. Was sich bereits in Buchform gut verkauft und als Marke etabliert hat, hat schließlich auch auf der großen Leinwand Erfolgsaussichten. Dementsprechend geben sich alljährlich Nachwuchsdetektive, wilde Kerle und Hühner oder Hexen auf dem Reiterhof an den Kinosälen die Klinke in die Hand. Als Gegengewicht versucht die Initiative Der besondere Kinderfilm seit 2012 mehr Originalstoffe auf die große Leinwand zu bringen. Nach "Winnetous Sohn" und "Ente gut! Mädchen allein zu Haus" startet mit "Auf Augenhöhe" nun das dritte Förderprojekt.

Gegen Schubladendenken und Vorurteile richteten sich bereits die beiden Vorgänger. "Auf Augenhöhe" verlangt seinem Protagonisten und dem jungen Zielpublikum nun aber eine noch größere Portion Toleranz ab. Schließlich ist der Name des Films Programm, nähert sich der zehnjährige Michi (Luis Vorbach) seinem kleinwüchsigen Vater Tom (Jordan Prentice) nur sehr mühsam und auf Umwegen. Bis der Junge zu seinem Vater steht, ihn akzeptiert und nicht mehr vor seinen Freunden verleugnet, ist es ein langer Weg, der manch überraschende Wendung nimmt.

Dass dieses schwierige Beziehungsgeschichte so mühelos in einem Kinderfilm funktioniert, liegt neben den überzeugenden Schauspielern an der einfühlsamen Regie des Duos Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf. Behutsam führen sie ihr Publikum an das heikle Thema heran, machen Michis Zurückweisung, sein Zögern und Zaudern, aber auch die Überraschung, Zweifel, Freude und Frustration seines Vaters jederzeit nachvollziehbar. Die Kamera sieht die Welt durch ihre Augen, steht oft etwas tiefer als in anderen Filmen. Auch das steckt bereits im Filmtitel.

Dieser Realismus ist aber auch ein wenig das Problem dieses pädagogisch äußerst wertvollen Films. Goldbrunners und Dollhopfs Drehbuch, das unter Mitarbeit von Nicole Armbruster entstand, schaut seine Geschichte dem Leben etwas zu genau ab. Dementsprechend nimmt es manchen Umweg, erzählt vieles doppelt und dreifach. Das entspricht zwar eher der Wirklichkeit, fühlt sich in der Fiktion aber manchmal etwas zu umständlich und langatmig an. Ganz am Ende macht die Handlung dann noch einmal eine Biegung, auf die sie getrost hätte verzichten können.

Fazit: "Auf Augenhöhe" ist ein Plädoyer für Toleranz, das ein Thema anpackt, von dem die meisten anderen Kinder- und Familienfilme die Finger lassen würden. Über all den guten Absichten geht dem Drehbuch jedoch etwas der erzählerische Fluss verloren, was diesem mutigen, gut gespielten Film trotz seiner moderaten Laufzeit einige Durchhänger beschert.





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