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Schmitke
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© www.schmitkefilm.com

Kritik: Schmitke (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Zu viel Ordnung, zu viel Disziplin bestimmen den Alltag von Julius Schmitke. Der Ingenieur, der kaum redet, ist ein Tüftler und Entwickler, aber neuerdings zieht ihn das grüne Dickicht des Waldes magisch an. Im Radio und in der Zeitung wird gerade vom geheimnisvollen Bärenmann berichtet, einem Einsiedler, der in der Wildnis lebte. Der nüchterne Schmitke rutscht auf einem Roadtrip ins tschechische Erzgebirge immer tiefer in die Welt des Unerklärlichen. Die deutsch-tschechische Komödie von Regisseur Štěpán Altrichter entstand an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Eine Vorliebe für das Skurrile kennzeichnet ihre Figuren und vermischt sich auch mit dem Nebel des Unheimlichen, den sie in den Wäldern des Erzgebirges entdeckt.

Der wortkarge Schmitke ist es gewohnt, zu funktionieren. So, wie es auch seine Windräder tun. Aber dabei wirkt er wie ein Relikt aus einer vergangenen Ära. Peter Kurth verleiht ihm ein eigentümliches Charisma: Schmitke erinnert an einen Stummfilmhelden, der gleichermaßen unbeholfen und unbeirrt durch die Handlung stapft. Der lebenslustige Thomas gibt den antagonistischen Sidekick. Aber wie schon Schmitkes Tochter verschwindet auch er recht bald von der Bildfläche. Die mysteriösen Tschechen im Kaff, neben dem das kaputte Windrad steht, tun gerade so, als wäre das gar nicht verwunderlich. Unter ihnen etabliert der Film einige schräge Charaktere, die Schmitkes Gefühl des Fremdseins bis ins Unheimliche wachsen lassen.

In Schmitkes Erleben vermischen sich Traum und Realität immer stärker. Das führt unter anderem zu einer eigenwilligen erzählerischen Passage, in der sich das Gesehene mit kleineren und größeren Abwandlungen wiederholt. In den Wäldern des Erzgebirges wohne der Geist einer an gebrochenem Herzen gestorbenen Frau, wird Schmitke gesagt. Plötzlich ist das Blut eines Hirsches an seinem Auto. Der Wald verändert sich, gibt Säulen aus Beton und Treppen frei, die in die Tiefe führen. Das soll wohl eine Metapher für die Identitätskrise des Helden sein, dem die eigene Natur abhanden gekommen ist.

Die imposante Landschaft, der Verfall, der sich im tschechischen Dorf und dem ächzenden, metallisch heulenden Windrad bemerkbar macht, ergeben eine reizvolle atmosphärische Spannung. Aber weder Schmitke, noch sein skurriles Begleitpersonal können auf Dauer verhindern, dass sich Langeweile einschleicht und das Rätselhafte in Selbstbezogenheit abdriftet. Bei der Entschlüsselung hilft auch die bunte musikalische Mischung nicht weiter, die sich von entspannten Stücken wie "Besame mucho" bis zum großen dramatischen Fortissimo erstreckt.

Fazit: Das skurrile Roadmovie konfrontiert einen deutschen Ingenieur alter Schule mit dem Mysteriösen und der Wildnis. Auf seiner Reise ins tschechische Erzgebirge gerät er zunehmend auf Abwege, die in die eigene Traumwelt führen. Die versponnene Handlung und ihre merkwürdigen Charaktere wirken zwar originell, aber die Dramaturgie ist zu verspielt, um auf Dauer nicht zu langweilen.






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