VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Cemetery of Splendour
Cemetery of Splendour
© Rapid Eye Movies

Kritik: Cemetery of Splendour (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul ("Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben") erzählt erneut eine mystisch unterlegte Geschichte, in der es um kulturelle Tradition und Volksglauben geht. In der Ruhe eines kleinen Krankenhauses vertieft sich die ehrenamtliche Mitarbeiterin Jen in die Vergangenheit des Ortes, die zum Teil auch ihre eigene ist. In der komplizierten Beziehung zu einem Patienten gibt und findet sie Zuneigung und Nähe. Die stillen, immer wieder einer Selbsterforschung gleichenden Abenteuer Jens bettet der Regisseur in einen dokumentarisch anmutenden Bilderreigen ein, der aus Beobachtungen und Impressionen besteht.

Die unerklärlichen Phänomene, etwa die Schlafkrankheit der bettlägerigen Soldaten, schildert Weerasethakul mit feinem Sinn für Humor und Skurrilität. Die Ärzte rücken dem Phänomen mit unkonventionellen Therapien zu Leibe: Neben einer merkwürdigen Lichttherapie, die den Raum in ein Spiel aus Neonfarben verwandelt, binden sie auch die Angehörigen und Mitarbeiter ein. Sie sollen mit Meditation ihre geistige Energie stärken und diese dann den Patienten zukommen lassen. Die Handlung ist voll von solchen experimentell wirkenden Gehversuchen auf dem Gebiet immaterieller Kräfte. Von Keng wollen die Angehörigen eines Soldaten zum Beispiel wissen, in welcher Farbe er sich die neue Küche wünscht, oder ob er eine Geliebte hat. Thematisch geht es im Film neben der Rolle der Vergangenheit und der Macht der Geister auch um die heilende Wirkung menschlicher Nähe. Und auch die Rätsel des Alltags nehmen einigen Raum ein. Niemand weiß, warum der Boden vor den Toren des Krankenhauses aufgerissen wird. Und die jungen Leute, die sich auf die Bänke am Seeufer setzen, wechseln diese immer wieder wie bei einem Ballett.

Die Ruhe des Krankenhauses und seines verwunschenen Gartens mit den Spuren aus verschiedenen Epochen erzeugen eine kontemplative Atmosphäre. Diese wird auch durch die statische Kamera befördert, die in der Regel jede Szenerie einfach wie bei einem Blick aus dem Fenster intensiv aufnimmt. Dabei kann es sich um Menschen auf den Rolltreppen eines Filmpalasts handeln oder auch um einen Mann, der seine Notdurft verrichtet. Gerade weil die Impressionen oft eher zufällig anmuten, als nach Schönheit und Erhabenheit gefiltert, wirkt der Film auch sehr authentisch. Langweilig wird diese Erkundung eines Ortes, seiner Geschichte und seiner Menschen, die sich Jens poetischer Führung anvertraut, nie.

Fazit: Der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul erzählt eine sanft bezaubernde, die Vorstellungskraft anregende Geschichte, die aus lauter Unscheinbarem besteht. In der kontemplativen Stille eines Krankenhauses begegnen sich Traum und Wirklichkeit, die Sehnsüchte der Menschen und die rätselhafte Kraft der Vergangenheit. Mystik, Humor und impressionistische Beobachtungen fügen sich zu einem auch atmosphärisch ansprechenden, reichhaltigen Gesamtbild.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.