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Mit dem Herz durch die Wand
Mit dem Herz durch die Wand
© Neue Visionen © Pandastorm Pictures

Kritik: Mit dem Herz durch die Wand (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die romantische Komödie, mit der der französische Schauspieler Clovis Cornillac sein Regiedebüt gibt, basiert auf einer höchst originellen Idee: Eine Frau und ihr Nachbar bilden notgedrungen eine Wohngemeinschaft, obwohl sie in getrennten Apartments leben und sich nicht zu Gesicht bekommen. Die Wand, die sie trennt, taugt nämlich nur als Sichtschutz – um miteinander zu streiten, benötigen die beiden kein Telefon. Die namenlos bleibenden Nachbarn stellen irgendwann überrascht fest, dass sie dieses Zusammensein beflügelt.

Die junge Pianistin, die sich auf ein Vorspiel vorbereitet und Klavierstunden gibt, ist schüchtern und unsicher. Ohne ihre Schwester Charlotte wäre sie ganz allein. Auch ihr Nachbar hat sein Päckchen zu tragen: Was ihn aus der Bahn geworfen hat, wird erst am Ende verraten, jedenfalls vergräbt er sich daheim in mathematische Berechnungen und Tüfteleien und lässt seinen einzigen Freund, Artus, die Einkäufe erledigen. Auf diese Weise hätte es für beide so schnell wohl keine romantische Erfahrung im Leben gegeben – aber die durchlässige Wand holt sie aus ihrem Schneckenhäuschen und beschert ihnen einen stürmischen Aufruhr der Gefühle. Die lustige Idee wird im Lauf der Handlung weiter ausgeschmückt, bis hin zu einem Abendessen zu viert, aber selbstverständlich nicht ohne Wand. Die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, mit der die Erzählung solch eigenwilligen Pfaden folgt, wirkt sehr unterhaltsam. Auch die Auflösung gelingt auf ansprechende Weise.

Die beiden Hauptdarsteller ergeben beim Streiten, aber auch in der tastenden verbalen Annäherung ein glaubwürdiges Paar. Dabei sind sie ja auch nicht im landläufigen Sinn darauf angewiesen, dass die Chemie stimmt. Ihr Zusammensein ist nun einmal gegeben und unterspült konsequent alle Barrieren, die sie aus ihren Ängsten, Gewohnheiten und unterschiedlichen Ansichten errichten. Wichtige komödiantische Nebenrollen übernehmen ihre jeweiligen Vertrauenspersonen Artus und Charlotte, die sozusagen als Realitätscheck dienen und sich nicht schlecht über diese Beziehungsform wundern. Auch die Nebenhandlung mit dem Fremden, den die Nachbarin zum romantischen Date einlädt, weil sie ihn für den Mann jenseits der Wand hält, wird sehr amüsant erzählt. Der hübsche kleine Film beweist also, dass sich frische Gedankenexperimente auf dem weitgehend abgegrasten Gebiet der romantischen Komödie lohnen.

Fazit: Die romantische Komödie von Clovis Cornillac verdankt ihren Charme und Witz einer originellen Idee: Zwei Nachbarn hören wegen einer zu dünnen Wand mehr voneinander, als ihnen lieb ist, kommen dabei aber auch ins Gespräch. Aus dieser Konstellation konstruiert der Film unbekümmert, locker und vergnüglich eine paradoxe Paarbeziehung und nutzt sie für reizvollen Suspense.






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