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Ritter Rost 2 - Das Schrottkomplott
Ritter Rost 2 - Das Schrottkomplott
© Universum Film

Kritik: Ritter Rost 2 - Das Schrottkomplott (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Film beruht auf der beliebten "Ritter Rost"-Kinderbuchreihe von Jörg Hilbert und Felix Janosa, die seit 1994 zahlreiche junge Leser begeistert. Kennzeichnend ist, dass die Bücher seit jeher mit einer beigelegten Musik-CD erscheinen. Seinen ersten Kinoauftritt hatte Ritter Rost 2013, damals übernahm Comedian Rick Kavanian die Sprechrolle des Hauptcharakters. In der Fortsetzung darf ihm nun Schauspieler Christoph Maria Herbst die Stimme leihen. Beide Filme wurden von Thomas Bodenstein inszeniert, der zuletzt bei "Der kleine Drache Kokosnuss" (2014) als Produzent beteiligt war. Als weitere prominente "Stimmengeber" sind Tom Gerhard und Jella Haase mit dabei.

Die Filmreihe "Ritter Rost" etabliert sich hierzulande mit ihrem zweiten Film als das etwas andere Kinderfilm-Franchise – mit anspruchsvoller Thematik und gehobenem Anspruch. Das ist hier noch mehr der Fall als schon beim gelungenen Erstling von 2013. Vor dem Hintergrund des politischen Rechtsrucks in vielen europäischen Ländern und der Willkür so manch eines europäischen Staatsmanns (Erdogan, Putin, Orban etc.), könnte die Handlung von "Ritter Rost 2" aktueller nicht sein. Die Zuschauer erleben die (gewaltsame) Ablösung eines eigentlich etablierten, funktionierenden politischen Systems mit, das künftig mehr und mehr diktatorische Züge annimmt: bei Beleidigung der Polizei droht Zuchthaus, die Eliten werden entmachtet und verdrängt, die Medien gleichgeschaltet. Dinge, die einem aus der Realität bekannt vorkommen und einem fast leider nur allzu oft in den Nachrichten begegnen.

Manch ein Kritiker bemängelte, dass jene anspruchsvolle Thematik des Films bzw. die teils düsteren Ereignisse und Inhalte, das ein oder andere Kind überfordern könnten. Das ist richtig, allerdings macht dieser Anspruch auch den Film aus und hebt ihn von der Konkurrenz ab. Zudem zeigt es den Mut von Regisseur Bodenstein, auch unangenehme Themen anzusprechen. Denn unsere Welt ist nun einmal mit Nichten das kunterbunte, fröhliche Märchenland, wie es uns in vielen überdrehten, kitschigen Animationswerken vorgesetzt wird. Schaden kann es zumindest nicht, den jungen Zuschauern dies so bald wie möglich deutlich zu machen. Und: der Film tut dies ja auch auf gewohnt humorvolle und kindlich-verspielte Weise. Es ist daher bei weitem nicht so, dass "Ritter Rost 2" zu beklemmend, ernst oder politisch geworden ist.

Im Gegenteil: die liebevoll animierte Altmetall- und Schrottszenerie ist detailverliebt wie eh und je und alte Bekannte wie das Burgfräulein Bö und der Drache Koks sind natürlich auch wieder mit von der Partie. Dazu garniert Bodenstein seinen Film mit viel (körperbetontem) Slapstick-Humor, etwa wenn Rost auf die Hinterlassenschaften seines Vaters stößt. Und auch spektakuläre Action ist reichlich vorhanden, die vor allem im letzten Drittel voll ausgespielt wird. Somit sind rasante Unterhaltung sowie Abwechslung garantiert und Langeweile stellt sich auf der Leinwand zu keinem Zeitpunkt ein.

Fazit: "Ritter Rost 2" ist trotz seines hohen Humor- und Actionanteils sowie der vielen lustigen Slapstick-Einlagen, eine Ausnahme unter den Kinderbuch-Verfilmungen. Denn auf spielerische Weise konfrontiert er seine jungen Zuschauer mit anspruchsvollen Themen und der gegenwärtigen politischen Realität um uns herum.





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