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Kritik: A War (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Von Anfang an ist klar ersichtlich, dass es sich hier um einen skandinavischen Kriegsfilm handelt. Es fehlen die heldenhaften Töne, die Action am Schauplatz Afghanistan wird von Angst begleitet und die Soldaten geraten ins Grübeln. Der dänische Regisseur und Drehbuchautor Tobias Lindholm ("Hijacking – Todesangst... In der Gewalt von Piraten") vertieft sich mit beinahe dokumentarischer Präzision in das moralische Dilemma, in das der Kriegseinsatz den Kommandanten einer kleinen dänischen Einheit stürzt. Der hoch spannende Film schildert auch den nachfolgenden Gerichtsprozess, um zu zeigen, dass der Krieg die Soldaten nicht loslässt, wenn sie in die Heimat zurückkehren.

Die dänischen Soldaten patrouillieren in der afghanischen Einöde wie Zielscheiben. Nie wissen sie, wo eine Mine oder die nächste Bombe hochgehen wird. Der grausame Tod eines jungen Kameraden traumatisiert einen Soldaten der Einheit, aber Claus kann ihn nicht einfach nach Hause schicken. Er kann auch nicht einfach die afghanische Familie im Lager aufnehmen, die Schutz vor den Taliban begehrt. Jede seiner Entscheidungen aber hat Folgen. Wenn eine Patrouille in akuter Not Hilfe von einer Militärstation anfordert, mutet der Funkverkehr entsetzlich schwerfällig und bürokratisch an. Die Regeln, die es zu beachten gilt, bevor Luftunterstützung erfolgen darf, sind offenbar am Schreibtisch entstanden. Vor Ort aber muss Claus eine Entscheidung in Sekundenschnelle treffen – und wer handelt, macht sich schuldig. Später, in Dänemark, wird ihm eine kühl und sachlich argumentierende Staatsanwältin vorhalten, dass er ein Verbrechen begangen hat. Ihre Worte wird Claus wohl nie vergessen, wie auch nicht die Fotos der bei jenem Einsatz getöteten Kinder und Frauen.

Die Geschichte wirkt ungeheuer authentisch. Bei der in Afghanistan spielenden Handlung gehören zu Claus' Truppe echte Soldaten, die sich über Funk so austauschen wie in Wirklichkeit. Der Film zeigt wie beiläufig, dass Claus und seine Männer in der permanenten Lebensgefahr zynisch werden, sich verändern. Und dass sie der Zivilbevölkerung oft weniger helfen können, als ihre Präsenz das vorgaukelt. Diesen differenzierten Tonfall kennzeichnet auch der Gerichtsprozess. Bei dieser wuchtigen, doppelten Demonstration, wie ein paar Tage Krieg das Leben eines Menschen verändern, stört lediglich die konventionelle Geschichte mit Maria und den Kindern, die ihren Vater brauchen. Dennoch ist dies ein aufwühlender, scharfsichtiger Film über die Schuld und das Leid, mit der die einfachen Soldaten alleingelassen werden.

Fazit: Das dänische Kriegsdrama erzählt mit dokumentarisch anmutender Präzision von einem militärischen Einsatz in Afghanistan, der für den Kommandanten ein gerichtliches Nachspiel hat. Anhand dieses fiktiven Beispiels vertieft sich der hoch spannende Film mit luziden Argumenten in das moralische Dilemma, in das ein Kriegseinsatz den einzelnen Soldaten zu stürzen vermag.





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