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Der Vollposten
Der Vollposten
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Der Vollposten (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Fast zehn Millionen Kinobesucher sahen in Italien diese herrliche Komödie, die allerlei unzeitgemäße Überzeugungen im eigenen Land aufs Korn nimmt. Dazu gehören das männliche Selbstverständnis zwischen Machotum und Muttersöhnchen, aber vor allem auch die Versorgungsmentalität im Beamtentum. Der Comedian Checco Zalone, der die Hauptrolle eines standesbewussten Bürokraten spielt, schrieb auch am Drehbuch mit, gemeinsam mit dem Regisseur Gennaro Nunziante. Das Ergebnis ist ein überraschend satirischer Filmspaß mit gelungenem Timing und treffsicheren Dialogen. Der nach der Kinoauswertung in seiner Heimat erfolgreichste italienische Film aller Zeiten wird mit ziemlicher Sicherheit auch das deutsche Publikum erfreuen.

Obwohl Checco so an der heimischen Provinz hängt, kommt er ziemlich viel herum auf der Welt. Sogar eine veritable Dschungelprüfung muss er absolvieren. Es hätte keinen Sinn, dem Kannibalenhäuptling, der seine Gesinnung beurteilen will, etwas vorzumachen: Checco ist ein Egoist, für den sein Beamtenposten mehr zählt als die Frau an seiner Seite. Aber die Liebe macht ihn mürbe: Nach einiger Zeit in Norwegen fängt er an, den Müll zu trennen und hupt auch vor ihm stehende Autos nicht mehr an, sobald die Ampel auf Grün springt. Seine eigenen Eltern trauen ihren Augen kaum, als sie ihn besuchen. Neben solchen köstlichen Culture-Clash-Elementen geht es aber natürlich auch immer wieder um Checcos Entschlossenheit, sich nicht um seine Anstellung bringen zu lassen, die ihm das 13. Monatsgehalt und viele andere Vorteile garantiert.

Zalone spielt seinen Filmcharakter als eine Art Vollpfosten, worauf der deutsche Titel neckisch missverständlich hinweist. Aber nach dem Motto "Ich bin doch nicht blöd!" hält sich Checco für einen Mann mit kühl kalkulierendem Verstand. So wird er zu einer Filmfigur, die sich selbst persifliert und mit der sich die Zuschauer dennoch auch immer wieder identifizieren können. Denn die Gefühle und die Nöte des Schlaumeiers sind ja durchaus universell: die Liebe, aber auch das Vorteilsdenken, die Crux mit der Personalchefin und mit den leidigen Versetzungen.

Die abwechslungsreiche Dramaturgie funktioniert in den längeren Handlungssträngen wie der Norwegen-Episode ebenso gut wie in den Passagen, in denen die Ereignisse in knapper Form zusammengefasst werden. Selbst die Musik wird in den satirischen Tonfall einbezogen. Lautes Auflachen ist in dieser Ausnahme-Komödie an vielen Stellen sehr wahrscheinlich.

Fazit: Die köstliche Komödie von Gennaro Nunziante führt mit dem Comedian Checco Zalone in der Hauptrolle und viel satirischer Lust vor, wie ein italienischer Beamter an seiner Versorgungsmentalität und anderen überkommenen Gewohnheiten festhält. Mit ihrer kurzweiligen Dramaturgie jagt ihn die Geschichte um den halben Globus und beschert ihm einen norwegischen Kulturschock, um seine Lernfähigkeit sehr vergnüglich auf die Probe zu stellen.





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