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Kritik: Landstück (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Relativ flaches, weites Land unter einem mächtigen Himmel: Die Uckermark im Norden Brandenburgs präsentiert sich als ein friedlicher Flecken Erde. Volker Koepp ("In Sarmatien") ließ sich schon vor langer Zeit von dieser Gegend verzaubern, die er nicht zum ersten Mal filmisch erkundet. Mit seinem ganzheitlichen Ansatz, der einen geschichtlichen Bogen schlägt, sich Zeit für die Erzählungen der Menschen und für Naturimpressionen nimmt, ertastet der Film die ureigene Atmosphäre dieser Landschaft. Und dieses Atmosphärische wiederum dürfte die vielen Zeitgenossen ansprechen, die sich nach dem Landleben sehnen und in Wort und Bild gar nicht genug davon bekommen können.

Getreidefelder, Wiesen, ein wunderschöner Laubwald: Es liegt eine betörende Ruhe über der Landschaft, die die Kamera von Lotta Kilian einfängt. Diese Ruhe strahlt Geborgenheit aus, den Trost, die Zeitläufte zu überstehen, und sie weckt die Lebensgeister. Die Menschen, die Koepp erzählen lässt, scheinen oft von einer tiefen Zufriedenheit erfüllt zu sein, einem leisen Staunen über die Geschenke der Natur. Sie reden bedächtig, sehr überlegt, manchmal philosophisch, oder geben kleine persönliche Anekdoten preis, lassen ihre Gedanken schweifen. Nichts wirkt oberflächlich. Es sind Bio- und andere Bauern darunter, ein Mann in einem Zirkuswagen, der sich erfolgreich für eine Flurbereinigung auf privater Ebene engagiert hat. Der Biologe Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, gerät bei der Beobachtung von Vögeln und bei der Vorstellung von Wildkräutern ins Schwärmen und warnt eindringlich vor der "sozialen und ökologischen Verödung des Landes" durch industrielle Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Billigfleischproduktion, Maisanbau. Eine Gruppe Seniorinnen erinnert sich an die Zeiten der LPG-Landwirtschaft, denkt über Verwurzelung nach. Diese fühlen auch schon die Vertreter der jungen Generation. Im Grunde kreist der Film um das Thema Heimat und wie die Menschen sie hier nicht nur aus der Perspektive wechselnder politischer Gestaltung erleben.

Zweimal flicht Koepp Ausschnitte aus früheren Werken ein, seinem in der DDR entstandenen "Das weite Feld" von 1976 und "Uckermark" aus dem Jahr 2002. Den Menschen stellt er offene Fragen und aus dem Off spürt er selbst seinen emotionalen Verbindungen zur Uckermark nach, die er zum Beispiel auch mit der Liebe für die Landschaftsbilder von Caspar David Friedrich erklärt. Die dezente Musik spürt ihren einzelnen Klängen nach und stellt sich so ganz in den Dienst der Entschleunigung, die der Film auf attraktive Weise mit Leben füllt.

Fazit: Der Dokumentarfilmer Volker Koepp taucht in die Landschaft der Uckermark ein und lauscht den Erzählungen ihrer Bewohner. Zeitgeschichte, Ökologie, das Leben in der Landwirtschaft formen sich in Verbindung mit friedlichen Naturaufnahmen zu einem ganzheitlichen Porträt der Region. Mit seiner dichten Atmosphäre, die sich vom Prinzip der Entschleunigung leiten lässt, trifft dieser reizvolle Film den Geschmack der Zeit.





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