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The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit
The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit
© 20th Century Fox

Kritik: The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit seinem Regiedebüt widmet sich der Schauspieler und Produzent Nate Parker einer wichtigen Person der amerikanischen Geschichte. Nat Turner führte 1831 einen Sklavenaufstand in Virginia an, der bereits auf den 30 Jahre später beginnenden Bürgerkrieg verwies. Im Schulunterricht aber erfuhr Parker nichts über den Mann, mit dessen Namen viele Amerikaner eher eine vage Legende, als eine konkrete Biografie verbinden. Parker, der die Hauptrolle selbst spielt, betont mit der Wahl des Filmtitels, dass es ihm um die Lücken im historischen Bewusstsein der Gesellschaft geht. "The Birth of a Nation" hieß ein Stummfilmklassiker von D.W. Griffith aus dem Jahr 1915, in welchem der Ku-Klux-Klan positiv dargestellt wurde. Nun also wird unter dem gleichen Titel der Blick auf die afroamerikanische Geschichte gelenkt.

Das Drama vertieft sich mit epischem Atem und Detailreichtum in den Alltag auf der Turner-Farm. Lange sieht es so aus, als sei Nat dort eine gute Zukunft beschieden, weil das Verhältnis zu seinem Besitzer Samuel fast freundschaftlich ist. Doch der Film zeigt an mehreren Beispielen sehr eindrucksvoll auf, wie trügerisch Nats Hoffnungen sind. Als Sklave kann er sich eben nicht darauf verlassen, wie ein Mensch behandelt zu werden. Nate Parker spielt den Sklaven sehr einprägsam als Mann, der lange an das Gute glaubt. Sehr berührend ist die zarte, romantische Liebesgeschichte von Nat und Cherry, die ein wichtiges Gegenstück zu den vielen Grausamkeiten bildet, die an "12 Years a Slave" erinnern. Eine starke, positive Figur ist auch Nats Großmutter (Esther Scott). Mit ihr schlägt Parker einen Bogen zur westafrikanischen Kultur, deren Einfluss auf Nat auch ein schamanisches Ritual und wenige traumähnliche Einschübe schildern.

Ein zentrales Thema des Films ist der christliche Glaube und seine Bedeutung im Leben Nat Turners, aber auch der anderen Sklaven. Nat weiß, wie sehr sich die Geschundenen nach dem Trost und der Erbauung sehnen, die ihnen die Heilige Schrift bietet. Seine Predigten verleihen den Bibelgeschichten eine kämpferische Diktion, die bei den Sklaven ganz anders ankommt, als es die Weißen vermuten. Trotz solcher spannenden Aspekte wirkt der Film insgesamt dennoch recht pflichtschuldig und brav. Es fehlt der wirklich zündende Funke – wohl auch weil dem Zuschauer so vieles bekannt vorkommt, was der Film über das Unwesen der Sklaverei zu erzählen hat.

Fazit: Das Regiedebüt Nate Parkers vertieft sich mit epischem Atem und beseelter Akribie in das Leben Nat Turners als einer wichtigen Figur der afroamerikanischen Geschichte. Parker stellt den Prediger, der 30 Jahre vor dem amerikanischen Bürgerkrieg einen Sklavenaufstand anzettelte, selbst dar und schildert seinen Wandel vom friedfertigen Optimisten zum kompromisslosen Kämpfer lebhaft und glaubwürdig. Das sorgfältige inszenierte Drama wirkt insgesamt authentisch, scheut jedoch vor originellen Paukenschlägen zurück.





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