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Kritik: Zen For Nothing (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der deutsche Dokumentarfilmer Werner Penzel hat sich in dem japanischen Zen-Kloster Antaiji umgesehen, das von einem deutschen Abt geleitet wird. Zum Unterschied über einen Zen-Meister wie er selbst und einen Zen-Mönch befragt, erklärt Muho Nölke lachend, wer den Absprung nicht schaffe, werde eben Zen-Meister. Auch die japanisch eingesprochenen und in Texteinblendungen übersetzten Sprüche des Meisters Kodo Sawaki verweigern sich einer weihevollen philosophischen Aura, wenn es zum Beispiel heißt: "Zazen ist nichts Besonderes." Über die Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling hinweg beobachtet Penzel die Klosterbesucherin Sabine Timoteo bei ihrer inneren Einkehr und im Austausch mit den anderen Bewohnern.

Die Schweizer Schauspielerin muss sich vieles einfach von den anderen abschauen, denn gerade während der kompliziert wirkenden Essenszeremonie herrscht Schweigen. Auch im Film fällt lange kaum ein Wort, die Stille bestimmt die Atmosphäre. Wenn sie nicht gerade meditieren, arbeiten die vorwiegend jungen Gäste mit den Mönchen und dem Meister im Garten, reparieren einen Schuppen, machen Holz. Aber es gibt auch Raum für Gespräche, für Spaß und selbst für Musik mit elektrischer Gitarre. Nach ein paar Monaten berichten einige Besucher der Gruppe von ihrem inneren Prozess. Da ist die Rede von Unsicherheit, Zweifel, aber auch gesteigerter Präsenz. Nur von Erleuchtung spricht niemand. Selbst die über die Bilder gelegten Zitate von Kodo Sawaki schmälern in typischer Zen-Manier nicht gerade die Konfusion darüber, was sich durch Meditieren erreichen lässt.

In der Form passt sich der Film dem Thema an und übt sich in Beschaulichkeit. Die Kamera erforscht die Gesichter der Meditierenden häufig aus dem Profil, fängt das Halbdunkel der Räume ein, aber auch die Natur vor der Haustür im Wandel der Jahreszeiten. Manchmal akzentuiert eine sparsame Musik, bestehend aus einzelnen Klängen, die von knackenden, kullernden, sägenden Geräuschen ergänzt werden können, die durch Kargheit und Verzicht auferlegte mentale Prüfung. Es gibt zwar viele Rituale und Regeln in diesem Kloster, aber offenbar nur wenig ideologischen Überbau. Diese interessante Erkenntnis bleibt jedoch halb im Dunkeln wie so vieles, weil sich der Film allzu sehr von Momentaufnahmen leiten lässt, die nicht immer aussagekräftig sind.

Fazit: Besucher des japanischen Zen-Klosters Antaiji finden beim Meditieren und Arbeiten nicht automatisch Antworten auf die großen Sinnfragen des Lebens. Auf sich selbst zurückgeworfen, begegnet auch die Schweizerin Sabine Timoteo vielmehr der eigenen Verletzlichkeit und Unsicherheit. Der Dokumentarfilm von Werner Penzel taucht über mehrere Monate in den Alltag des Klosters ein, wobei seine ruhigen Bilder das Rätsel der Zen-Meditation eher umkreisen, als es zu ergründen.





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