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Willkommen im Hotel Mama
Willkommen im Hotel Mama
© Alamode Film

Kritik: Willkommen im Hotel Mama (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die französische Komödie von Regisseur Éric Lavaine spielt mal rein spaßeshalber eine Situation durch, die manche Menschen in europäischen Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit aus eigener, nicht ganz so lustiger Erfahrung kennen: Da hatte man sich eine eigene Existenz aufgebaut und auf einmal fehlen mit dem Jobverlust oder der Verschuldung die Mittel, um sie fortzuführen. Die eben noch gutsituierte Architektin Stéphanie wehrt sich zu Recht gegen das Vorurteil, arbeitsscheu zu sein und sich die missliche Lage selbst eingebrockt zu haben. Doch selbst die eigene Mutter, bei der sie wieder einzieht, scheint an ihren beruflichen Chancen zu zweifeln. Jedenfalls weckt sie sie jeden Morgen um sechs Uhr, damit sie als erste auf die Stellenanzeigen in der Zeitung antwortet. Stéphanie gefällt diese Bevormundung ebenso wenig wie der Mutter der Wunsch der Tochter, die Heizung in der Wohnung zu drosseln.

Als gäbe es in dieser Wohngemeinschaft von Mutter und Tochter noch nicht genügend Zündstoff, kommen alsbald die eifersüchtigen Geschwister zu Besuch. Da ist der Zwist vorprogrammiert, denn im Elternhaus mutieren Erwachsene offenbar schnell wieder zu Kindern, die um die Liebe der Mutter streiten und kontrollieren, ob sich nicht jemand mehr nimmt, als ihm zusteht. Die Mutter selbst wird auch kritisch beäugt: Hier gestattet sich der Film einige hübsche Seitenhiebe auf die gesellschaftliche Bereitschaft, alten Menschen, die man nicht versteht, sofort eine Verfallserscheinung wie Alzheimer anzudichten. Wäre Jacqueline dement, würde es ihre Kinder weniger überraschen, als dass sie in ihrem Alter noch etwas anderes vorhat, als sie zu bekochen und um den Vater zu trauern. Josiane Balasko spielt die gemütliche weißhaarige Frau jedoch als ebenso herzlich wie lebenslustig. Man sieht ihr dabei gerne zu. Allerdings sind die durchgehend gut besetzten Charaktere nur oberflächlich gezeichnet. Sie haben vor allem die Funktion, die verschiedenen Themen der Geschichte abzuklappern und dabei auch noch witzige Sprüche zu klopfen. Letzteres wirkt eher unbeholfen, weil die Pointen zwar intendiert sind, es der Formulierung aber an Schwung und Treffsicherheit fehlt.

Die altehrwürdige Provinzstadt und die heimelige Atmosphäre in Mutters Wohnung erfreuen Auge und Gemüt gleichermaßen. Aber der schludrige Umgang der Inszenierung mit dem Tempo, das von gemächlich urplötzlich auf "schon erledigt" springen kann, führt zu unbefriedigenden Auflösungen, die den Wohlfühlfaktor einschränken.

Fazit: Die französische Komödie von Regisseur Éric Lavaine entwirft ein reizvoll konflikthaftes Setting mit einer 40-jährigen Frau, die arbeitslos ist und zur Mutter zurückkehrt. Generationenkonflikte, unangemessene Erwartungen und aufflammender Streit zwischen Geschwistern ergeben ein breitgefächertes Themenspektrum, das jedoch für einen oberflächlichen Verlauf sorgt. Dagegen können die guten Darsteller, die auch mit Fehlzündungen beim Dialogwitz zu kämpfen haben, wenig ausrichten.





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