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Der Landarzt von Chaussy
Der Landarzt von Chaussy
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Der Landarzt von Chaussy (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie in Frankreich gibt es auch in Deutschland immer weniger Mediziner, die noch als Allgemeinärzte über die Dörfer fahren wollen. Der Titelheld des Spielfilms von Regisseur Thomas Lilti ist den ganzen Tag im Einsatz und weiß, wie sehr ihn die Leute brauchen. Als er an einem Tumor erkrankt, fällt es ihm entsprechend schwer, kürzer zu treten. Was, wenn sich seine Vertretung aus der Stadt als überfordert herausstellt, oder globaler, mit Blick auf die Realität außerhalb des Kinosaals gefragt, wenn es die Politik versäumt, die medizinische Versorgung auf dem flachen Land in Zukunft noch zu gewährleisten? Dem spannenden und trotz des ernsten Themas auch humorvollen Drama kommt stets zugute, dass Lilti als ehemaliger Arzt ganz genau weiß, wovon er erzählt.

Trotz der Krebserkrankung Jean-Pierres mutiert dieser Film keineswegs zum Sterbedrama, sondern widmet sich über weite Strecken seinem Arbeitsalltag. Jean-Pierre nimmt seine neue Kollegin, gegen die er sich innerlich sperrt, mit zu den Hausbesuchen. Da gibt es den 92-jährigen Mann, dem er versprochen hat, dass er nicht mehr ins Krankenhaus gebracht wird: Nathalie findet, er sei zuhause medizinisch nicht ausreichend versorgt, aber Jean-Pierre hält dagegen, dass ein so alter Patient in der Klinik verloren ist. Ein Landarzt entwickelt ein besonderes Gespür für die Menschen und sie wiederum ziehen ihn zuweilen auch wegen anderer Probleme ins Vertrauen. Die Geschichte ist gerade dort am spannendsten, wo es um den fordernden Kontakt mit den verschiedensten Patienten geht.

Diese thematische Spannung wird zusätzlich geschürt durch die Konflikte von Jean-Pierre und Nathalie. Dass sie bei einigen Patienten sehr gut ankommt, bemerkt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Jean-Pierre hadert mit der neuen Erfahrung, nicht unersetzlich zu sein. Verwundbar geworden aufgrund seiner Krankheit, legt er in die Beziehung zu seiner Kollegin zu viel Gefühl hinein, Reizbarkeit, Rivalität, Angst, aber auch ein gewisses Anlehnungsbedürfnis und sogar romantische Anwandlungen. François Cluzet spielt all das mit stillem, aber beredtem Understatement, und Marianne Denicourt beherrscht die Kunst, sich sachlich zu geben, aber menschliche Wärme durchschimmern zu lassen. Zwar bevorzugt der Film an etlichen Stellen einen leichteren, versöhnlicheren Kurs, als es seine Themen nahelegen, aber er wirkt deswegen noch nicht trivial. So verdichtet sich der romantische Hauch zum Beispiel auch nicht zu einer kitschigen Liebesgeschichte.

Fazit: Der französische Spielfilm über einen Landarzt, der sich krankheitsbedingt von einer neuen Kollegin aushelfen lassen muss, vertieft sich mit Humor und Sachverstand in den spannenden Alltag eines Berufs, der auch in Deutschland akute Nachwuchsprobleme hat. Die beiden Hauptdarsteller François Cluzet und Marianne Denicourt spielen das konflikthafte Kollegen-Duo mit beredter emotionaler Zurückhaltung, aber auch einer vergnüglichen Prise Romantik.





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