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Empörung
Empörung
© X Verleih © Warner Bros.

Kritik: Empörung (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Indignation" ist das späte Langfilmdebüt von James Schamus, der seit den 1990er Jahren eine feste Größe in der (Independent-)Kinobranche ist – sowohl als Produzent als auch als Drehbuchautor, etwa von zahlreichen Werken, die Ang Lee in Szene gesetzt hat. Auch hier verfasste er das Skript – und wagte sich an eine Adaption der gleichnamigen, überaus persönlichen Novelle von Philip Roth aus dem Jahre 2008, die in Deutschland unter dem Titel "Empörung" veröffentlicht wurde. Das Gefühl der Empörung überkommt den jugendlichen Protagonisten Marcus zunächst in seinem Familienhaus angesichts der übertriebenen elterlichen Fürsorge und später in seinem schulischen Umfeld, dessen Konservativismus keine Andersdenkenden wie ihn zuzulassen scheint.

Die literarische Vorlage ist ausgesprochen introspektiv – und weist obendrein eine Erzählstruktur auf, die stark vom Üblichen abweicht, da man als Leser_in überraschend früh über den Ausgang der Geschichte informiert wird. In diesem Punkt ist die Verfilmung konventioneller geraten; im Ganzen gelingt es Schamus aber hervorragend, Roths Stil in das Medium der bewegten Bilder zu übertragen und dessen Stärken zu nutzen. Das Zusammenspiel der Kostüme, des Produktionsdesigns und der souveränen Kameraarbeit erzeugen die Atmosphäre einer allzu glatten Fassade, hinter der das Unterdrückte lauert. In Blicken und Gesten wird die Bigotterie einer Welt vermittelt, die in einigen Momenten dann klar zum Vorschein kommt – beispielsweise wenn Marcus' Mutter ihrem Sohn nahelegt, sich von seiner neuen Freundin Olivia fernzuhalten, nachdem sie die Narbe auf deren Handgelenk als Folge eines Suizidversuchs erkannt und Olivia somit als psychisch labilen und vor allem sündigen Menschen eingestuft hat. Mit der sexuell freizügigen jungen Frau hat Roth eine sehr komplexe weibliche Figur geschaffen, die von Sarah Gadon überzeugend interpretiert wird.

Die Höhepunkte der erschreckend bitteren coming of age story sind die Auseinandersetzungen zwischen dem hartnäckigen Marcus und dem strengen Dekan Caudwell. In diesen Passagen kann sich Schamus nicht nur auf die geschliffenen Dialoge stützen, sondern ebenso auf die furiose gemeinsame Darbietung von Logan Lerman und Tracy Letts, deren verbales Duell auch ohne Pistolen maximale Spannung erreicht. Beeindruckend!

Fazit: Eine exquisite filmische Übersetzung von Roths gesellschaftskritischer Prosa, punktgenau ausgestattet und gespielt, narrativ allerdings weniger ambitioniert.





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