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Magical Girl
Magical Girl
© Freunde des Spanischen Films e.V.

Kritik: Magical Girl (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Thriller-Drama des spanischen Regisseurs und Drehbuchautors Carlos Vermut entfaltet eine hohe Spannung, die es über die gesamte, zweistündige Laufzeit halten kann. Es führt Menschen zusammen, die sich in ein fatales Geflecht aus Abhängigkeiten verstricken. Wenn die Geschichte, die mit dem arbeitslosen Lehrer und seiner krebskranken Tochter beginnt, zur labilen Bárbara wechselt, glaubt man, es handele sich um einen Episodenfilm. Doch die Erzählung folgt vielmehr elliptischen Schleifen, die voller Überraschungen sind. Der Kurs des Films wirkt nie gekünstelt, sondern im Gegenteil, zwingend wie ein guter Schachzug.

Der alte Damián bekommt einen Schweigeanruf. Er werde auflegen, wenn er nicht erfahre, wer dran ist, sagt er. "Hier ist Bárbara", sagt die Anruferin - und er legt auf. Die Anflüge von Humor sind immer etwas düster, weisen auf ungelöste Probleme hin. Oft scheinen die Charaktere in die falsche Richtung zu laufen. Luis zum Beispiel hinterfragt nicht eine Sekunde, ob der Preis für das Mädchenkleid nicht völlig überzogen ist. Seine sterbenskranke Tochter will ihm etwas sagen, in einem Brief, der im Radio verlesen wird – nur, der Vater und die Zuschauer hören ihn nicht. Bárbara wiederum bringt sich in große Gefahr, ohne jemals zu erwägen, ihren Mann einzuweihen. Wiederholt gibt es Anspielungen auf gesellschaftliche Spannungen und die schwierige Wirtschaftslage in Spanien. Jemand sagt, dass die Menschen in diesem Land immer unschlüssig seien, ob sie sich von Vernunft, oder von Leidenschaft leiten lassen wollen. Die zivilisierte Schicht ist mitunter hauchdünn, und gerade das Milieu der Superreichen schätzt es, Regeln außer Kraft zu setzen. Wer alles hat, sucht mitunter den besonderen Thrill, zum Beispiel sexuelle Folter, die mit dem Leben von Menschen spielt. Weder wird gezeigt, was in einem solchen geheimen Zirkel mit Bárbara geschieht, noch verrät der Film über einige magere, aufregende Hinweise hinaus, was ihr früher angetan wurde. So entsteht ein Sog aus düsterem Suspense. Kälte und Feuer, Schmerz und der Wunsch nach Erlösung erscheinen jeweils als Seiten einer Medaille, aber wie die Charaktere diese auch drehen und wenden, sie können ihr Dilemma nicht überwinden.

Die Geschichte ist raffinierter gestrickt, als sich ihre Figuren verhalten. Vielleicht mit Ausnahme des etwas enttäuschenden Schlusses erwartet den Zuschauer eine lohnende Entdeckungstour. Erstaunlicherweise wird die Spannung jedoch nicht mit technischen Mitteln geschürt. Es gibt keine schnellen Schnitte, keine mit der Angst spielende Kameraführung und das Tempo bleibt durchgehend moderat. "Magical Girl" überzeugt als solider, fesselnder Unterhaltungsfilm.

Fazit: Das spanische Drama von Carlos Vermut entwickelt sich in raffinierten erzählerischen Ellipsen zum Thriller, während sich seine Charaktere aufgrund von Erpressung und seelischer Not in Abhängigkeiten verstricken. Die ausgeklügelte Dramaturgie veranstaltet ein Rätselspiel, das überraschende Trümpfe in der Hinterhand hält.





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