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Kritik: Urmila für die Freiheit (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Sie kamen, als ihr Vater krank war und boten ihrem Bruder Geld für die Medizin. Er solle ihnen die kleine Schwester mitgeben, sie würde es in der neuen Familie gut haben und auch in die Schule gehen dürfen. So kam Urmila zu fremden Leuten nach Kathmandu und musste elf Jahre lang als ihre Leibeigene im Haushalt arbeiten. Nun, als junge Frau von 23 Jahren, bereitet sie sich auf den Abschluss der Schule vor, die sie nach ihrer Befreiung in geraffter Form nachgeholt hat. Urmila will ihr Leben dem Kampf für Menschenrechte widmen und Jura studieren. Der Dokumentarfilm der deutschen Regisseurin und Kamerafrau Susan Gluth begleitet die mutige und hoffnungsvolle junge Nepalesin über einen Zeitraum von drei Jahren.

Urmila stammt aus der untersten sozialen Schicht Nepals. Ihre Eltern verschuldeten sich wie viele andere Bauern im Süden des Landes als Folge von Neuansiedlungen und windigen Landverkäufen. Wenn Urmila sie im Film besucht und von ihnen wissen will, warum sie sie einst weggaben, ist ihr seelischer Schmerz immer noch zu spüren. Die Eltern bekunden zwar Reue, aber vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie es sich die junge Frau wünscht, die der frühe Verlust der familiären Geborgenheit so schmerzt. Ihre Erinnerungen scheinen eine Kluft zwischen ihr und den Eltern zu bilden und sie auch sonst hartnäckig zu bedrängen: Dann sieht die in der Regel so anpackende Frau plötzlich traurig und ein wenig verloren aus. Diese wenigen Szenen bilden einen starken emotionalen Kontrast zu den vielen anderen, in denen Urmila als Aktivistin im Einsatz ist. Einmal gelingt es ihr sogar, vor laufender Kamera ein sechsjähriges Mädchen aus einem Bus zu holen, das sich auf dem Weg in die Haussklaverei befindet. Noch Tage später will das verschüchterte Mädchen, das keine Eltern mehr hat und im Heim der FKDF untergebracht wird, kaum sprechen. Vielleicht ist Urmila sogar die erste Person in seinem Leben, die nach seinen Gefühlen und Wünschen fragt. Gluths Film zeigt nicht nur, wie offensiv Urmila mit den Geistern der Vergangenheit umgeht, sondern auch, wie viel menschlichen Beistand sie jüngeren Schicksalsgefährtinnen bietet.

Urmila will den befreiten Mädchen Mut machen, an sich zu glauben. Offenbar fällt es ihr schwer, mit der eigenen Kraft zu haushalten: Auf einer Demo erleidet sie einen Schwächeanfall. Gluth bleibt in ihren Beobachtungen, die sie wie Schnappschüsse aneinanderreiht, meistens nahe bei der Protagonistin. Ihr Film über diese schwierige, bewundernswerte Emanzipation in einer von Ungleichheit und Not geprägten Gesellschaft berührt und bleibt lange in Erinnerung.

Fazit: Der bewegende Dokumentarfilm von Susan Gluth schildert die Emanzipation einer ehemaligen nepalesischen Haushaltssklavin als permanenten Kampf gegen die Geister der Vergangenheit und für gesellschaftlichen Fortschritt. Die einfühlsam porträtierte Titelheldin führt ihn mit beeindruckender Konsequenz, indem sie sich für jüngere Schicksalsgefährtinnen engagiert.





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