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Kritik: Life (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Daniel Espinosa hat einen spannenden Horrorthriller inszeniert, der außerhalb der Erde spielt, in der klaustrophobischen Enge der Internationalen Raumstation. Die Freude über das geheimnisvolle, neu entdeckte Wesen vom Mars währt für Miranda North (Rebecca Ferguson), David Jordan (Jake Gyllenhaal), Rory Adams (Ryan Reynolds) und die anderen Crew-Mitglieder nur kurz. Denn der rasch wachsende Calvin, der so harmlos aussieht wie ein durchsichtiger kleiner Tintenfisch, begibt sich auf einen Vernichtungsfeldzug. Für die Crew beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod. Der Nervenkitzel wird in atmosphärisch dichten Bildern inszeniert, die mit zahlreichen Schauwerten aufwarten, aber auch auf tiefgründigere Art emotional bewegen können.

Die labyrinthische Jagd durch die Raumstation wird sehr aufregend geschildert. Einmal verlässt Calvin sogar die Station, um eine Astronautin zu attackieren, die eine Außenreparatur vornimmt. Die herzzerreißenden Szenen am Bullauge, wo sich zwei verzweifelte Crewmitglieder Auge in Auge ihres Gefangen- und Ausgeliefertseins bewusst werden, prägen sich ein. Das Motiv der Todesnähe, des möglichen Verschwindens, taucht natürlich auch in ruhigeren Minuten in den Gesprächen an Bord auf. Es bringt, zusammen mit der oft sphärisch-engelsgleichen Musik, die immer leicht unheimliche Faszination für das Rätsel Weltall auf den Punkt, das so zentral für das Science-Fiction-Genre ist. Indem sie Themen wie Verantwortung und Aufopferung anschneidet, steuert die Geschichte auf eine Heldentragödie zu.

Eher dem Horrorgenre zugehörig ist die Verfolgungsjagd an Bord, mit dem Wesen, das in seiner reiferen Ausprägung sogar einen Monsterkopf erhält. Aber auch da findet die Inszenierung Bilder, die über das schon Gesehene hinausgehen. So, wie die Personen meistens durch die Räume der Station und die schlauchförmigen Gänge schweben, so schwebt auch das Blut eines der Calvin-Opfer in großen, flachen Flocken um seinen Kopf herum. Diese Splatter-Sinfonie strahlt auch eine tiefe Traurigkeit aus und wirkt daher keineswegs nur effektheischend. Es beeindruckt allgemein, wie sich die Kamera den Bewegungen in diesem Milieu der Schwerelosigkeit anpasst und den Zuschauer einbezieht. In den Aufnahmen teilt sich immer mit, dass der Schwebezustand dem Menschen eigentlich zuwiderläuft, weil ihm innerlich meistens nicht so leicht zumute ist.

Fazit: Regisseur Daniel Espinosa hat einen spannenden Sci-Fi-Horrorthriller inszeniert, der im Weltall spielt. Die Crew der Internationalen Raumstation wird von einem Wesen bedroht, das vom Mars stammt und aus dem abgeschotteten Laborraum entweicht. Die Verwundbarkeit des menschlichen Lebens im All und die uralte Angst vor überlegenen, zerstörerischen Aliens ergeben als zentrale Themen eine Geschichte, die Schrecken und seelisches Drama überzeugend mischt. Diese Kombination drückt auch der reizvollen visuellen Gestaltung mit ihrem guten Sinn für die Schwerelosigkeit ihren Stempel auf.





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