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Kritik: Everybody wants some!! (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Regisseur und Drehbuchautor Richard Linklater ("Boyhood", "Confusion – Sommer der Ausgeflippten") schwelgt mit diesem Film hemmungslos in 1980er-Nostalgie. Wer in dieser Zeit aufs College ging, verstand sich als spaßaffiner Erbe der Flower-Power-Ära und hatte gewisse Erwartungen an die Dreierpackung Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Zwischen Kiffer-Coolness und Angebersprüchen erforschen College-Neuling Jake und seine Baseball-Kameraden das Lebensgefühl, erwachsen, aber noch nicht im Hamsterrad der Pflichten gefangen zu sein. Die erinnerungsselige Komödie widmet sich glücklicherweise auch ausgiebig der Musik jener Epoche.

Von Anfang an besteht keinerlei Zweifel an der Perspektive dieses Films: Sehnsucht nach der Jugend und Wehmut sind die Motive, um das Jahr 1980 aus der Versenkung zu holen, und deshalb wirkt es stets eine Spur zu naiv, unschuldig und fröhlich, um als wahr durchzugehen. Jake und die anderen Boys geben sich schon mit ihrem Aussehen als die reinsten Klischeefiguren zu erkennen, ihre Posen, Gesten, ihr ganzes Gehabe sind pure Imagepflege. Jake ist ein sympathischer, offener Durchschnittstyp, der auch Werbung für Mode und Cornflakes machen könnte. In seiner WG gibt es unter anderem den starken Kiffer mit Hang zu Hippie-Esoterik, den eloquenten Womanizer und Typen, die Schnurrbart tragen und beim Training Kaugummi kauen.

Gerade weil sich die Beziehungen und die Gespräche so sehr auf das Coolsein beschränken, schleicht sich rasch ein Gefühl der Ermüdung ein, wie es auch Sitcom-Zuschauer kennen. Oft berührt es einen auch etwas peinlich, wie rückständig, längst überholt vieles aus heutiger Perspektive wirkt. Dass junge Männer mit großem Ego im Auto durch die Straßen kreuzen und Ausschau nach Frauen halten, die für verbale Anmache herhalten müssen, hat zum Beispiel inzwischen einen anderen, prolligen Beigeschmack.

Zum Gelingen dieser 1980er-Feier trägt vor allem die üppige musikalische Untermalung bei. Die Jungs klappern Discos ab, wagen aber auch Abstecher in einen Countryclub und auf ein Punkkonzert. Außer dem titelgebenden Song von Van Halen erklingen unter anderem Lieder von Blondie, Kool & the Gang, Cheap Trick, ZZ Top, Foreigner – einfach herrlich! Auf diese Weise entschädigt der Film zumindest atmosphärisch für seine inhaltliche Flaute.

Fazit: Richard Linklaters Blick zurück in das anbrechende Jahrzehnt der 1980er ruht bewundernd auf einer Gruppe College-Jungs beim Feiern, Abhängen und vor allem bei der permanenten Imagepflege. Die Charaktere geraten zu nostalgisch gefärbten Klischees, die mitunter nicht ohne Peinlichkeit daran erinnern, wie sich die Zeiten geändert haben. Für die fehlende inhaltliche Spannung entschädigt zum Teil die üppige Musik, die dann doch für schöne Retro-Stimmung sorgt.





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