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Meine Cousine Rachel
Meine Cousine Rachel
© 20th Century Fox

Kritik: Meine Cousine Rachel (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Alfred Hitchcock und die britische Schriftstellerin Daphne du Maurier verstanden sich beide meisterlich darauf, in ihren Werken Suspense zu erzeugen. Drei Filme Hitchcocks, "Rebecca", "Die Vögel" und "Riff-Piraten", basieren auf du Mauriers literarischen Arbeiten. Auch ihr beliebter Roman "Meine Cousine Rachel" aus dem Jahr 1951 wurde schon ein Jahr später verfilmt, mit Richard Burton und Olivia de Havilland in den Hauptrollen. Nun hat sich Regisseur Roger Michell ("Notting Hill") an die erneute Verfilmung der im 19. Jahrhundert angesiedelten romantischen Geschichte gewagt. Das Ergebnis ist ausgesprochen stilvoll und kommt mit seinem Sinn für altmodisches, an den Charakteren orientiertes Erzählen ohne Hast dem Geist der Buchvorlage sehr nahe.

Philip, der Held der Geschichte, und seine Cousine Rachel sind in jeder Hinsicht verschieden. Philip ist viel jünger und in sämtlichen Fragen des gesellschaftlichen Umgangs auch viel unerfahrener als Rachel. Sie, die in Italien lebte, bringt in die beschauliche englische Provinz eine schillernde Eleganz und Raffinesse. Alle mögen die lebenslustige, charmante Frau, und Philip, der noch keinerlei Erfahrung mit dem anderen Geschlecht besitzt, himmelt sie bald vorbehaltlos an. Sein Pate und dessen Tochter Louise, die hoffte, dass Philip sie heiraten würde, sehen diese Entwicklung mit großer Sorge. Denn Rachel bleibt undurchsichtig in ihren Zielen, eine Femme fatale, die womöglich sogar einen Giftanschlag auf Philip plant. Eine Szene, in der die Kamera sich an die Porzellantasse heftet, in der Rachel ihrem Cousin den Tee serviert, weckt Erinnerungen an das unheimliche Glas Milch, das Cary Grants Filmcharakter in Hitchcocks "Verdacht" die Treppe hinaufträgt, um es seiner Frau zu bringen.

Sam Claflin spielt den jungen Philip sehr bewegend in seinem Zustand rettungsloser Verliebtheit. Es gelingt ihm wunderbar, die Verletzlichkeit und den jugendlichen Leichtsinn dieses Charakters darzustellen. Rachel Weisz spielt wie immer souverän und überzeugend. Die dunkle Rätselhaftigkeit der schönen Cousine Rachel macht sie sich mit intuitivem Gespür zu eigen. Immer lastet eine gewisse Schwermut auf den Bildern, die eigentlich von den Annehmlichkeiten des englischen Landlebens erfüllt sind, wie es der wohlhabende Philip führt. Michell und seinen Hauptdarstellern ist es mühelos gelungen, den aus Romantik, bösen Zweifeln und einer Atmosphäre lauernder Gefahr gebildeten Suspense der literarischen Vorlage auf der Leinwand leuchten zu lassen.

Fazit: Roger Michells Adaption des gleichnamigen romantischen Thrillers von Daphne du Maurier aus dem Jahr 1951 arbeitet dessen dunklen Suspense sehr überzeugend heraus. Rachel Weisz und Sam Claflin spielen das ungleiche Paar hervorragend, das sich in einem Strudel aus unterschiedlichen Interessen, Leidenschaft und Geheimnissen verfängt. Die stilvolle Inszenierung wirkt mit ihrer sorgfältigen Charakterzeichnung und der melodramatischen Schwere altmodisch im positiven Sinn.





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