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Innsaei - Die Kraft der Intuition
Innsaei - Die Kraft der Intuition
© mindjazz pictures

Kritik: Innsaei - Die Kraft der Intuition (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Begriff Intuition hat etwas Geheimnisvolles, so wie das Denken, das er meint. Er klingt modern, dabei war er alten Völkern nicht fremd. Die Isländerin Hrund Gunnsteinsdottir, die mit ihrer Freundin Kristin Ólafsdottir eine dokumentarische Forschungsreise zum Thema Intuition unternimmt, stößt in der alten isländischen Sprache auf das Wort InnSæi. Es habe drei Bedeutungen, erklärt sie als Voice-Over-Kommentatorin: das innere Meer, nach innen blicken, von innen nach außen blicken. Auch die alten polynesischen Seefahrer verließen sich auf dieses innere Navigationssystem, das aber auf einer geschärften, klaren Wahrnehmung der Außenwelt basiert, zu der moderne Menschen mit ihrem rationalen, analytischen Denken gar nicht mehr fähig sind. Die Filmemacherinnen hören von Experten, dass das menschliche Denken aus dem Gleichgewicht geraten ist, weil die Leistungen der rechten Gehirnhälfte, die für Gefühl, Kreativität, Ganzheitlichkeit stehen, vernachlässigt werden.

Der Film ist der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai gewidmet, die 2011 verstarb. Die Umweltaktivistin hatte Bäume gepflanzt und schon allein damit in der kenianischen Gesellschaft Positives in Gang gesetzt. So betonen auch viele der Interviewpartner, wie wichtig die Natur für den Menschen und seine psychische Stabilität sei. Manche, wie der Professor Bill George von der Harvard Business School, raten zu Achtsamkeitsübungen, um die Wahrnehmung zu schärfen und das Kreisen der Gedanken in den immergleichen Bahnen zu durchbrechen. Eine der beeindruckendsten Sequenzen dieses Films zeigt die Künstlerin Marina Abramović bei ihrer Performance "The Artist is Present" 2010 im New Yorker Museum of Modern Art. Abramović erklärt dazu auch, wie sie sich auf die Menschen einließ, die Schlange standen, um ihr für kurze Zeit in einem stummen Dialog gegenüberzusitzen. Die starken Emotionen, die dabei freigesetzt wurden, sind ein Beweis für die Isolation, in der sich viele Zeitgenossen befinden, weil sie so aufs Funktionieren und Angepasstsein bedacht sind.

Die Regisseurinnen bebildern das schwierige, komplexe Thema Intuition auch mit kreativen grafischen Mitteln und verspielt wirkenden Animationen. Naturbilder, Unterwasseraufnahmen, Zeitraffer, Musik ergänzen die Interviews und Statements zu einem Plädoyer, sich mehr Zeit für Selbstwahrnehmung und Empathie zu nehmen. Die Strukturierung der verschiedenen thematischen Teilaspekte wirkt jedoch nicht immer plausibel und statt sinnvoller Vertiefung hier und dort setzt der Film eher nur auf breitgefächertes Brainstorming.

Fazit: Der isländische Dokumentarfilm plädiert mit einer breitgefächerten, anregenden Argumentation für ein neues Denken, das Gefühl, Empathie und Kreativität nicht mehr so stark ausblendet. Die interviewten Wissenschaftler, Künstler und Praktizierenden beleuchten das Thema Intuition aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass der Eindruck einer provisorischen Zusammenschau entsteht, die weiterer Vertiefung bedarf.





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