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Affenkönig
Affenkönig
© 24 Bilder © Port au Prince Pictures GmbH

Kritik: Affenkönig (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es ist ein beliebtes Komödienthema, das der Schweizer Regisseur Oliver Rihs hier in einen deftigen Filmspaß verwandelt: Männer in der Mitte des Lebens, bekanntlich eine krisengebeutelte Zeit, treffen sich für ein paar Tage, um die alten Zeiten hochleben zu lassen. Dazu gehört eine zünftige Location in herrlicher Natur, die Freiheit signalisiert und die Lebensgeister richtig weckt. Was passiert dann bei solchen Anlässen gerne – zumindest im Film? Zum einen regredieren die Männer und lassen in einer Mischung aus kindischem und animalischem Gehabe die Sau raus. Zum anderen wird Bilanz gezogen, wie jeder im Vergleich zu den anderen im Leben dasteht. Und unter diesem kritischen Blick der Buddys bricht dann so manche Image-Fassade wie ein Kartenhaus zusammen.

Der rote Faden für all diese Dynamik ist hier das Thema Sex. Es gibt ihn in expliziter Form, vor allem aber durchzieht er die Dialoge, die in ihrer Anzüglichkeit nicht nur der verklemmten Ruth merkwürdig vorkommen müssen. Aber sprechen 20-jährige Männer nicht vielleicht untereinander so, um zu prahlen, sich hochzuschaukeln Und diese Zusammenkunft soll ja ausdrücklich an die glorreichen Tage des Jungseins anknüpfen. Die Bemerkungen Wolfis sind schrecklich sexistisch, aber man hat nicht den Eindruck, in eine betont prollige Komödie geraten zu sein, sondern eher, dass Mentalitäten authentisch ausgesprochen werden. Wolfi animiert die Männer auch zu einer Radtour in erotischen Frauendessous und sieht sich dabei als Libertin. Doch als ZuschauerIn beschleicht einen mit zunehmender Dauer das Gefühl, dass das Thema Sex in diesem Kreis hauptsächlich als Feigenblatt für eine unsägliche, existenzielle Langeweile herhalten muss. Und was ist eigentlich sympathisch an diesen Männercharakteren?

Das Kreisen der Figuren um sich selbst ergibt einen auffälligen Kontrast zu den landschaftlichen Hintergründen, die gerade Neugier auf das Unbekannte schüren. Die herrliche ländliche Umgebung, auch das prächtige alte Haus werden nur als Partyambiente wahrgenommen. Um den Pool fehlt die stylishe Lichterkette nicht und die Innenausstattung funktioniert das Haus in eine Art Luxuspension um. Diese Leute könnten überall auf ähnliche Weise, in einem ähnlichen Ambiente feiern, austauschbar ist nur die belanglose Außenwelt. Daran aber übt der Film nicht wirklich Kritik. Es gibt also viel zu sehen und zu staunen, aber die attraktive Verpackung kann letztlich nicht über den bescheidenen inhaltlichen Wert der Komödie hinwegtäuschen.

Fazit: Der Midlife-Crisis beim Feiern im Freundeskreis eine lange Nase drehen und sie zugleich durch vergleichende Bilanz kräftig befeuern: So ergeht es den Männern in dieser deftigen, aufgemotzten Komödie von Oliver Rihs, die sich einer stark sexualisierten Sprache bedient. Obwohl die Mentalität der Charaktere durchaus authentische Züge besitzt, macht sie das nicht sympathischer und sie wirken auch nur in engen Grenzen interessant.





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