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Kritik: Mein ziemlich kleiner Freund (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Französische Komödien trauen sich oft, skurrile oder nicht alltägliche Themen anzupacken und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der argentinische Film "Corazón de Léon" von 2013 ein Remake bekam. Regisseur Laurent Tirard ("Der kleine Nick") hat die Geschichte einer Anwältin inszeniert, die sich in einen kleinwüchsigen Mann verliebt, es aber schwer findet, zu dieser Beziehung unter den Blicken anderer zu stehen. Zwar betont die Komödie gerne und bewusst das Skurrile, aber ihr Grundthema ist trotzdem relevant und betrifft jeden, der sich von den spöttischen, abwertenden Meinungen Dritter nicht das private Glück vermasseln lassen will.

Es gibt sie, die kleinwüchsigen Menschen, die sich in ihren Körperproportionen und ihrem Aussehen sonst nicht weiter von anderen Erwachsenen unterscheiden. Aber es gibt sie selten genug, um Umstehende staunen, grübeln, starren oder gar mit Belustigung und Spott reagieren zu lassen. Die Komödie baut Alexandres Statur in diverse Gags ein wie den mit dem großen Hund seines Sohnes, der ihn zur Begrüßung immer umrennt. Das wirkt dann deutlich übertrieben, wie auch schon die digitale Schrumpfung Jean Dujardins an sich oder im Vergleich mit ihr die plötzlich riesenhafte Größe seiner Gegenüber zu irritieren vermag. Ist es peinlich, wenn Diane ihrem Freund also einen Kinderpulli kauft oder die Kanzleiassistentin sich im Gespräch mit Alexandre zu ihm herabbeugt? Das weiß der arme Mann wohl selbst nicht so genau, aber er geht wunderbar unbekümmert mit seinem Anderssein um, gestattet sich kein Selbstmitleid und verfolgt zielstrebig den Plan, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Nur halten es die Frauen nicht länger an seiner Seite aus – weil sie sich in ihren Imageproblemen verheddern.

Alexandre und Diane sind gut gespielt, vor allem auch, als sie in ihre Beziehungskrise schlittern und an ihre persönlichen Grenzen stoßen. Interessante Nebenrollen wie Alexandres erwachsener Sohn, der kein eigenes Geld verdient, oder der attraktive Bruno, der Diane immer noch nahesteht, verstärken den realistischen Anspruch der Geschichte und die Spannung gleichermaßen. Mit eleganter Leichtigkeit navigiert sich die Komödie durch dramaturgisch aufgerautes Fahrwasser und auch an unergiebigen Momenten vorbei. So entsteht wieder einer dieser französischen Filme, die unterhaltsam, aber nicht seicht sind, die zwar nicht zwingend gesehen werden müssen, aber ihr Publikum doch recht zufrieden entlassen.

Fazit: Die französische Liebeskomödie von Laurent Tirard verfolgt mit Witz, gelegentlicher Übertreibung und dennoch auch realitätsnah ein Paar im Konflikt mit der Kleinwüchsigkeit des Mannes. Die elegante Leichtigkeit des Schauspiels überzeugt auch in den Nebenrollen und verstärkt den Unterhaltungswert dieses filmischen Zeitvertreibs, der keineswegs in Seichtigkeit strandet.





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