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Kritik: Gonin Saga (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Takashi Ishiis Gangsterepos "Gonin Saga" feierte auf der 16. Nippon Connection in Frankfurt am Main seine Deutschlandpremiere. Mit diesem Yakuza-Drama knüpft der Filmemacher direkt an die Geschichte seines größten Erfolgs "Gonin", aus dem Jahre 1995 an. Damals galt Ishii als eines der größten Genre-Regietalente Japans und "Gonin" avancierte schnell zu einem Kultfilm, weshalb der Filmemacher 1996 gleich "Gonin 2" folgen ließ. Aber ähnlich, wie bei seinem zweiten großen Crimedrama-Klassiker, dem grandiosen Rachedrama "Black Angel" (1997), dem bald "Black Angel 2" (1999) folgte, handelt es sich bei dem mit "2" tituliertem Film nicht um eine Fortsetzung, sondern um eine Variation der gleichen Geschichte. Aber während im Falle von "Black Angel", auch "Black Angel 2" ein gelungener Film in seinem eigenen Recht ist, war "Gonin 2" - in dem die männlichen Protagonisten aus "Gonin" durch Frauen ersetzt wurden - eher uninspiriert.

Deshalb lautete die große Frage eines jeden Kenners der Filme von Takashi Ishii, ob sich der Filmemacher - um den herum es in den letzten Jahren eher still geworden ist - mit "Gonin Saga" wieder rehabilitieren würde oder ob auch dieser Film erneut ein recht fader Neuaufguss seines großen Klassikers sein würde. Die kurze Antwort lautet: teil, teils ...

"Gonin Saga" fängt sehr stimmungsvoll fünf Jahre nach dem Ende von "Gonin" an, wobei in Flashbacks immer wieder Originalausschnitte aus dem damaligen Film gezeigt werden. Diese heben sich schon rein optisch eindeutig, von den neu erstellten Bildern ab: Während "Gonin" Mitte der 1990er-Jahre natürlich noch auf Filmmaterial geschossen wurde, dessen Textur auch hier gut zu sehen ist, hat Ishii alle neuen Szenen von "Gonin Saga" mit einer extrem hochauflösendem 4K-Digitalkamera gedreht, die jede einzelne Pore der Protagonisten erkennen lässt. Trotzdem funktioniert die Zusammenfügung von Alt und Neu sehr gut. Denn erstens gelingen Ishii auch im neuen Film sehr schöne Bilder und zweitens gehört es zu den filmtechnischen Standards Rückblenden visuell vom sonstigen Geschehen abzusetzen, um die Vergangenheit schon rein optisch erkennbar zu machen.

Takashi Ishii ist dafür bekannt., dass er bei seinen bekannten Genrefilmen den Begriff des Film noir bzw. Neo-Noir sehr wörtlich auffasst: So spielt auch "Gonin Saga" überwiegend des Nachts und gleich bei der Eröffnungsszene regnet es zudem in Strömen. Aber während visuelle und atmosphärisch von Anbeginn an alles stimmt, kann dies leider nicht von der inhaltlichen Ebene des Films gesagt werden. Sehr lange tritt der mit 132 Minuten ein wenig überlange Film mehr oder weniger auf der Stelle. In langen Dialogen entfaltet sich zwar ein komplexes Beziehungsgefüge unter den Protagonisten. Doch dieses führt nicht zu einer adäquat komplexen Geschichte, sondern drosselt in erster Linie einfach nur stark das Tempo. Erschwerend hinzu kommt, dass sogar die wenigen Actionszenen zum großen Teil erstaunlich actionarm ausgefallen sind.

Zwar ist erkennbar, dass dies ein bewusst von Ishii eingesetztes Stilmittel ist, welches die skurrile Dimension des Film verstärken soll. Aber leider funktioniert das nur in wenigen Szenen - am besten in dem grotesken Finale, das dann doch sehr geglückt ist. Das Problem ist nur, dass der Zuschauer fast zwei Stunden auf dieses Finale warten muss und dass sich diese zwei Stunden zudem fast wie ein einziger, extrem überlanger Vorfilm anfühlen. Wenn dann der Abspann einen nächtlichen Kameraflug über das glitzernde Tokio zeigt, zu dem die geniale Titelmelodie von "Gonin" ertönt, dann macht sich zwar wieder das altbekannte beglückende "Gonin"-Gefühl in der Magengegend breit. Aber damit ist der Spaß dann leider auch schon vorbei ...

Fazit: Atmosphärisch grandios, inhaltlich verworren und tempoarm ist "Gonin Saga" eine durchwachsene Seherfahrung, die leider wirklich nicht an Takashi Ishiis Klassiker "Gonin" heranreicht.





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