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Kritik: Love & Peace (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Sion Sonos Musical-Komödie "Love & Peace" feierte auf der 16. Nippon Connection in Frankfurt am Main seine Deutschlandpremiere. Auf dem Festival war ebenfalls der fast meditative Science-Fiction-Film "The Wispering Star" vom gleichen Filmemacher zu sehen. Diese so extrem unterschiedlichen Filme stammen erstaunlicherweise beide aus dem Jahr 2015. Aber auch dies ist erst ein Teil der Wahrheit: Insgesamt hat der Regieberserker in diesem Jahr sage und schreibe fünf Kinofilme und einen Fernsehfilm gedreht. Bei solch einer Quantität könnte man annehmen, dass dies auf der Kosten der Qualität ginge. Davon kann jedoch keine Rede sein: Sowohl "The Wispering Star" als auch "Love & Peace" gehören zum Besten, was Sion Sono bislang gemacht hat!

Hierbei ist "Love & Peace" mindestens so grotesk, wie es die Inhaltsbeschreibung zum Film vermuten lässt. Und trotzdem gelingt es dem anarchischen Auteur mit diesem Film besser, als mit jedem seiner vorherigen Werke den Zuschauer bis zum Ende mitzunehmen und zu begeistern. Dies liegt sicherlich zu einem großen Teil daran, dass "Love & Peace" über weite Strecken tatsächlich genauso zuckersüß ist, wie der Titel ahnen lässt. Während in vielen anderen Werken Sonos eine äußerst morbide Stimmung vorherrscht, ist "Love & Peace" zwar extrem krude, kitschig, skurril und over-the-top, dabei jedoch zugleich so herzerwärmend schön, wie eine japanische Version von "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001). - Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um die Singende-Schildkröten-Godzilla-Version von Jean-Pierre Jeunets bezauberndem modernen Märchen ...

Einen großen Teil zum grandiosen Gelingen der extrem durchgeknallten - und sämtliche Geschmacksgrenzen sprengenden - Geschichte hat Hiroki Hasegawa in der Rolle des Protagonisten Ryoichi Suzuki: Schwer beeindruckend ist dessen geglückte Metamorphose vom extrem weinerlichen und neurotischen Bürohengst zum arroganten und strahlenden Popstar "Wild Ryo". Brüllend komisch sind Szenen, wie das diesen Wandel markierende, erstmalige Singen der Punkschulze "Pikadon". Der Gipfel des Kitsches und zugleich absolut herzzerreißend ist es auch, wenn das zur riesigen (Plastik-) Schildkröte herangewachsene Haustier plötzlich mit großen Kulleraugen für Ryo ein Liedchen anstimmt. "Love & Peace" ist so viel mehr, als die Summe seiner Teile und verströmt einen Zauber, den man selbst erlebt haben muss. - Das Publikum bei der 16. Nippon Connection reagierte mit begeisterten Applaus.

Fazit: Absolut wahnwitzig und eine groteske Orgie des schlechten Geschmacks ist dieser bizarre Croud-Pleaser zugleich ein herzzerreißender Geniestreich.





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